[Review] Suzuma, Tabitha - Forbidden

Taschenbuch
Erschienen: 2010
Sprache: Englisch
Verlag: Definitions
Seiten: 417
ISBN: 978-1-862-30816-9
Preis: (ca.) 7,99 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 






Klapptext (Buchrückseite):

“You’ve always been my best friend,
my soul mate, and now I’ve fallen
in love with you too.
Why is that such a crime?”
She is pretty and talented – sweet sixteen and never been kissed.
He is seventeen, gorgeous and on the brink of a bright future.
And now they have fallen in love. But…
They are brother and sister.


Inhalt:

Seit einigen Jahren – besser gesagt, seit dem der Vater von Lochan, Maya, Kit, Tiffin und Willa die Familie verlassen hat – kümmern sich Lochan und Maya um ihre drei jüngeren Geschwister gemeinsam, da die Mutter seit der Trennung dem Alkohol und ihren Affären verfallen ist. Gemeinsam regeln die beiden ihren Alltag, unterhalten die beiden jüngeren Tiffin (9) und Willa (5), sorgen dafür dass ihr pubertärer kleiner Bruder Kit (13) den größten Schwierigkeiten fernbleibt, dass alle eine warme Mahlzeit auf dem Tisch haben und regelmäßig saubere bzw. neue Kleidung kriegen, damit das Sozialamt/Jugendamt nicht auf sie aufmerksam wird und die Geschwister auseinander reißt. Dafür tun Lochan und Maya alles und haben dabei nur einander, dem sie vollständig vertrauen und alles erzählen können. Dass die beiden sich dabei näher als nur Geschwister sind, ahnen die beiden zu anfangs auch noch nicht – doch dann passiert das Unwahrscheinliche: die beiden verlieben sich ineinander und führen im Verborgenen eine geheime Beziehung, immer mit der Gefahr im Nacken, erwischt zu werden. 


Meinung:

Gerade habe ich “Forbidden” von Tabitha Suzuma zu Ende gelesen, ein ungeschrieener Schrei steckt in meiner Kehle fest und Tränen laufen heiß meinen Wangen herunter und nehmen mir die Sicht. Immer noch ist es für mich unfassbar, das was die Autorin hier für ein erschreckendes und zugleich faszinierendes Werk geschaffen hat und wie ich selbst dazu stehe, ist letztendlich genauso erschreckend.
 
Die Geschichte von Lochan – liebevoll von seiner Familie Lochie genannt – und Maya ging mir – so wie sie die Autorin erzählt hat – mehr als nur durch Mark und Bein – sie hat sich in meiner Seele festgefressen und mich den beiden Protagonisten auf eine unglaubliche Art nahegebracht, dass ich ihren Schmerz quasi mein Eigen nennen könnte. 

Erzählt wird die Geschichte der beiden abwechselnd aus deren Sicht – in der Ich-Perspektive und Gegenwartsform – was einem wirklich mehr als nur unter die Haut geht und einen in der Geschichte gefangen hält. 

Was die Geschichte der beiden auch noch ausmacht, und verständlicher für den einen oder anderen, sind die Nebencharaktere, die wirklich sehr liebenswert und einzigartig sind – bis auf die Mutter. Die drei jüngeren Geschwister machen nämlich – selbst wenn sie hier nur Nebencharaktere sind – doch einen Großteil der Geschichte aus und ich habe die drei (Kit, Tiffin und Willa) wirklich sehr ins Herz geschlossen, genauso wie die Protagonisten selbst. 

Herzzerreißend fand ich anfänglich insbesondere auch, dass Lochie ein sehr intelligenter, aber extrem schüchterner Junge ist, der außerhalb der Familie selten ein Wort herausbringt und deswegen auch keine Freunde hat, und zudem auch noch mit der Last der Familienprobleme belastet ist – über die er mit niemandem – außer mit Maya – reden kann. Maya ist im Gegensatz zu Lochie zwar nicht schüchtern und hat auch Freunde, aber kann auch mit diesen nie über ihre familiäre Situation reden – immer mit der Angst kämpfend, dass das Jugendamt die Geschwister trennen könnte. 

Aufgrund der schweren Bürde, die die beiden letztendlich gemeinsam tragen, ist es nur umso verständlicher, dass sie sich jemanden wünschen, dem sie nahe sein können, und sich letztendlich ineinander verlieren – immer sich ihrer Situation bewusst und anfangs auch dagegen ankämpfend. 

Während des Lesens sind mir die beiden immer mehr ans Herz gewachsen und ich habe sie als Leser – sich dessen zwar unbewusst bewusst – nicht mehr als Geschwisterpaar, sondern eher als sehr junge Eltern gesehen, die wirklich alles für die drei Jüngeren getan haben – und unbewusst habe ich mir für die beiden ein Happy End gewünscht. Aber wer würde das nicht?

Neben den doch sehr die Geschichte einnehmenden und einen großen Teil davon ausmachenden Geschwister ist da immer noch die Mutter der fünf, die Lochan sehr jung bekommen hat und zu dem Zeitpunkt seinerzeit quasi selbst noch ein Kind war und deswegen den Vater der Kinder heiraten musste. Niemals richtig erwachsen geworden und verletzt in ihrem Stolz, nachdem ihr Mann und Vater ihrer Kinder, sie wegen einer anderen verlassen hat, flüchtet sie sich in den Alkohol und ihre Affäre mit ihrem Chef, um dabei ihren Alltag und ihre Kinder, für die sie keine Verantwortung übernehmen will, zu vergessen. Untragbar und total egoistisch fand ich an ihr – und auch verachtenswert – dass sie ständig an Lochie rumgenörgelt und ihm vorgeworfen hat, er sei der Grund, warum sie heute in dieser verzwickten Situation mit fünf Kindern steckt. Daran, dass sie möglicherweise selbst an ihrer Situation Schuld trägt (Wozu gibt es schließlich Verhütung?), will sie nicht wahrhaben und lädt ihren ganzen Frust an Lochie ab. 

Aber im gleichen Zug genauso untragbar fand ich die Vaterfigur. Denn, wenn man der Mutter Vorwürfe macht, sollte man sich auch einmal den Vater ansehen, der die Familie verlassen hat, in ein anderes Land umgesiedelt ist, sich eine neue Familie gesucht und seine Kinder komplett aus dem Gedächtnis gestrichen hat. Er trägt meines Erachtens genauso viel Schuld an der Situation seiner Kinder, wie seine Ex-Frau – wenn nicht sogar noch mehr. 

Kurzum: Ein absolutes Meisterwerk, was einem emotional so auf Trapp hält, dass ich persönlich nur sagen kann, dass man es selbst gelesen haben muss, um das Kaleidoskop der Gefühle verstehen zu können, durch welches man als Leser durchsieht. 

Abschließend möchte ich einmal der Autorin Tabitha Suzuma dafür danken, dass sie sich an diese schwierige Thematik herangewagt und diese bewegende und mitreißende Geschichte geschrieben hat. Genauso sollte man wahrscheinlich auch einmal dem Verlag danken, der die Geschichte überhaupt publiziert hat. Übrigens danke ich an dieser Stelle auch einmal Stefanie, die mich erst auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. ^^


Bewertung:

Eine traurige und mitreißende Geschichte, die einem mehr als nur durch Mark und Bein geht, und für die man auf jeden Fall eine Packung Taschentücher bereit halten sollte. Für jeden, der ernsten Thematiken ohne Happy End offen gegenübersteht, ist dieses Buch ein absolutes MUSS. Ich kann es wirklich nur empfehlen, denn es ist eines der Bücher, wo ich schon beim Lesen gehofft habe, dass es nie zu Ende geht. 

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