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[Review] Crane, Caprice - Alles außer Nachbarn

Taschenbuch
Sprache: Deutsch
Erschienen: 2010
Seiten: 380
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-596-17241-2
Preis: 8,95 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 






Über die Autorin:

Caprice Crane, geboren in Hollywood, aufgewachsen in Manhattan, hat u.a. gekellnert, an der New York University studiert und war Head Writer bei MTV. Neben ihrem Debüt “Alles außer Nachbarn” ist im Fischer Taschenbuch Verlag auch “Von jetzt auf gleich” erschienen, eine Romantic Comedy über Liebe und Gedächtnislücken. 


Klapptext (Buchrückseite):

Na, die haben sich gerade noch gefehlt! Sie sind zwei ganz besondere Singles, die auch allein echt schon genug Probleme haben: Die wilde Heaven hat ein Faible für Fettnäpfchen und steht als unfreiwillige Kellnerin wieder einmal kurz vor dem Rausschmiss. Der smarte Brady hat unter anderem eine sehr anstrengende Exfreundin und steht als Musikproduzent leider gerade kurz vor der Pleite. Ausgerechnet diese beiden nicht ganz unkomplizierten Pechvögel sollen nun Tür an Tür leben? Das kann doch nicht funktionieren. 


Meinung:

“Alles außer Nachbarn” soll eine typische Liebeskomödie sein, wie das Leben sie selbst manchmal auf humorvolle Art selbst schreiben könnte. Doch leider gelingt es Caprice Crane in ihrem Debütwerk nicht voll und ganz dies realistisch und überzeugend darzustellen und den angepriesenen Humor in die jeweilige Situation miteinzubringen. 
 
Die Geschichte von Brady und Heaven, ein Musikproduzent und eine Kellnerin, wirkt einfach nur aufgesetzt und teilweise ziemlich unrealistisch, wobei hier sicherlich der eine oder andere darauf schließen würde, dass kaum ein Mensch sich so wie Heaven verhalten würde. Ich persönlich empfand es ziemlich unrealistisch, dass Heaven und Brady quasi Tür an Tür wohnen sollen. Wer bitte schön glaubt, dass eine Kellnerin und ein Musikproduzent im selben durchschnittlichen Mietshaus wohnen? 

So ungewöhnlich wie die Story klingt, genauso ungewöhnlich wird sie auch durch die Autorin selbst erzählt. Die Geschichte wird vom Prinzip her nicht nach einem festen Handlungsverlauf erzählt, sondern episodenweise. Die jeweils geschilderte Episode ist mit Heaven oder Brady überschrieben und erzählt die Geschichte des jeweiligen Charakters in der Ich-Form und Gegenwart. Man steckt also als Leser in dem jeweiligen Charakter drin, was von der Sache her auch nicht schlecht ist. Doch genau das ist das Problem mit dem Anfang. Man hat das Gefühl, die Autorin hat das Gefühl ihre Leser auf ihre Charaktere einstimmen und ihnen jedes noch so kleine Detail über sie verraten zu müssen, was damit endet, dass man als Leser einen endlos langen Anfang hat, indem man in den Gedanken, Erinnerungen und Wünschen des jeweiligen Protagonisten steckt und sich fragt, wann denn die eigentliche Geschichte, die ja im Klapptext angepriesen wird, beginnt und wird nach ca. 100 Seiten Durchhalten damit belohnt, dass sich die beiden Protagonisten zum ersten Mal begegnen und ein Wort miteinander wechseln und nochmal ca. zehn Seiten mehr, damit sie herausfinden, dass sie auch noch nebeneinander wohnen. 

Genauso langatmig und nervenaufreibend wie der Anfang ist, so erschreckend kurz und plötzlich und leider noch unrealistischer als der Rest des Werkes kommt das Ende daher. Im Enddefekt – was klar bei einer Liebeskomödie ist – geht für die beiden Protagonisten alles gut und mit alles meine ich wirklich alles! Es wirkt einfach zu aufgesetzt und zu unrealistisch, dass von einem Moment auf den anderen wirklich alles klappt und das Leben so läuft, wie die beiden sich das immer gewünscht haben. Denn wir wissen ja, im Leben klappt nicht immer alles so wie wir es wollen. 

Auch während des ganzen Geschehens zwischendurch hat man als Leser vom Prinzip her nicht wirklich das Gefühl, dass die beiden “füreinander” geschaffen sind. Es gibt keine Flirtszene, keine Szene in der man die Funken sprühen sieht und wenn einer der Protagonisten endlich mal versucht die Augen zu öffnen und entdeckt, dass der andere mehr sein könnte, passieren die unmöglichsten Sachen oder einem der beiden entschlüpft ein dermaßen unpassender Kommentar, dass ich als Leser wirklich schon mit den Augen gerollt habe. 

Was ich allerdings wirklich anmerken muss, ist, dass die beiden Protagonisten auf ihre ganz eigene verdrehte Art und Weise sympathisch und liebenswert sind und einem als Leser ans Herz wachsen, was einen letztendlich dazu verdonnert, die Story doch noch zu Ende zu lesen. Trotz aller ihrer Unterschiedlichkeiten harmonieren die beiden nämlich doch ausgesprochen gut miteinander. Denn wo Heaven optimistisch ins Leben geht, ist Brady pessimistisch. Die einzige Liebe, die die beiden von Anfang an verbindet, doch keinem der beiden klar ist, ist die Liebe zur Musik. Häufig werden Texte von bekannten wie auch unbekannten Bands und aus Filmen wiedergeben, womit sich die beiden Protagonisten zeitweise auch selbst identifizieren. Wie z.B. Heaven, die denkt, dass sie mit 27 sterben wird, wenn sie bis dahin nicht geheiratet hat, weil jedes ihrer großen Musik-Idole (ob sie nun Suizid begangen haben oder nicht) mit 27 starb. Verrückt, aber es ist nun einmal so und verrückt umschreibt Heaven nach wie vor am Besten. ^^ 

Trotz allem kann die Sympathie für die beiden Protagonisten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Story weder realistisch noch recht humorvoll geschildert wurde oder dass sie durch die Erzählweise der Autorin eher durchschnittlich und nicht besonders herausragend erzählt wird. 


Bewertung:

Wer nicht sehr anspruchsvolle Literatur mit schwacher Story und wenig Humor bevorzugt und über das ein oder andere Manko nur zwinkern kann, für den wäre “Alles außer Nachbarn” wahrscheinlich geeignet. Wer allerdings auf etwas anspruchsvollere Literatur, in der wirklich etwas von dem angepriesenen Humor steckt, und eine etwas ausgeprägtere Story bevorzugt, sollte von diesem Buch lieber die Finger lassen. 

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