[Review] Derting, Kimberley - Bodyfinder: Das Echo der Toten

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Originaltitel: The Body Finder
Erschienen: 2010
Sprache: Deutsch
Seiten: 331
Verlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-8157-9873-9
Preis: 16,95 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 





Über die Autorin:

“Bodyfinder – Das Echo der Toten” ist Kimberly Dertings Debütroman. Die Autorin wurde in der Nähe von Seattle geboren und lebt heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern im Nordwesten der USA, in einem Ort direkt am Pazifik, der für sie Quelle vieler dunkler und geheimnisvoller Geschichten ist. Der Nachfolgeband u “Bodyfinder – Das Echo der Toten” erscheint im Herbst 2011. 


Klapptext:

Seit Violet ein kleines Mädchen ist, nimmt sie die Aura der Toten wahr. Wie magisch wird sie von ihnen angezogen, spürt ihre pulsierenden Echos unter der Haut vibrieren. Für sie ist diese Gabe jedoch alles andere als ein Geschenk – und nur widerwillig findet sie sich damit ab, dass sie die Einzige ist, die den Serienmörder aufhalten kann, der die kleine Stadt heimsucht, in der sie mit ihrer Familie lebt. Mithilfe ihres besten Freundes Jay macht sie sich auf die Suche. Aber dann passiert etwas, womit Violet nie gerechnet hätte: Sie verliebt sich in Jay. Und merkt dabei gar nicht, wie nahe sie dem Mörder bereits gekommen ist. Bis sie selbst zu seiner Beute wird. 


Hinweis: Der weitere Beiträg enthält möglicherweise Spoiler!!!

 

Inhalt:

Violet Ambrose wäre eine ganz normale 16-Jährige mit den üblichen Teenager-Problemen, wie z.B. verliebt zu sein in den besten Freund, wenn da nicht ihre “Gabe” wäre, das Echo von Toten – egal ob Mensch oder Tier – zu spüren. Jedes Echo ist anders; mal ist es ein Geschmack, eine Farbexplosion, ein Geräusch oder ein Geruch. Aber sobald Violet in die Nähe eines Echos gerät, wird sie wie hypnotisiert davon angezogen. Dies geschieht auch ganz plötzlich, als Violet mit ihrem besten Freund Jay auf einem Wetbike während einer Party auf einem See eine kleine Runde dreht und Violets Aufmerksamkeit auf eine ungewöhnliche Farbe zwischen dem Schilf im Wasser gezogen wird. Zuerst glaubt sie daran, ein totes Tier erspürt zu haben, doch schnell wird klar, dass es sich hierbei um die Leiche eines Mädchens in ihrem Alter handelt. Schockiert über den Fund, ist Violet froh darüber, Jay an ihrer Seite zu haben, trotz ihrer stärker werdenden Gefühle für ihn, denn niemand kennt Vi besser als Jay. 


Kurze Zeit später, als immer mehr Mädchen verschwinden – darunter auch ein paar Bekannte von Violet – und einige davon später wieder tot aufgefunden werden, scheint jedem klar zu sein, dass hier ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Getrieben von dem Wunsch, zukünftige Opfer zu beschützen und dem Morden ein Ende zu setzen, kommt Vi auf die Idee, ihre Gabe dazu einzusetzen, um den Mörder zu finden, denn die Echos, die von den Leichen ausgehen, scheinen stets auch an dem Mörder zu kleben wie eine Markierung. Als dann auch noch eine Schulkameradin von Violet verschwindet und sie ganz überraschend in eine Suchaktion nach dieser mit eingebunden wird, scheint der Fall klar. Der Mörder ist einer der Suchhelfer, der versucht, andere Helfer von einem weiteren Grab fernzuhalten. Froh und entsetzt zugleich über ihre Entdeckung, ruft sie ihren Onkel, dem ortsansässigen Polizeisheriff, zu Hilfe und erklärt ihm die Situation. Dieser handelt so schnell es geht und bringt den Mörder hinter Gittern. 
 
Endlich wieder ihr Leben genießend, ohne die ständige Angst im Nacken, dass irgendwo in der Nähe der Mörder lauern könnte, zieht Violet wieder ihre Joggingrunde durch den angrenzenden Wald und wird dort plötzlich von einem Fremden, an dem ein nur allzu vertrautes Echo zu kleben scheint, verfolgt. 
 
Doch warum wird Violet plötzlich angegriffen, wenn der Mörder doch im Gefängnis sitzen sollte? Und wird Violet sich ihre Gefühle für Jay eingestehen und ihm diese auch offenbaren? Fühlt Jay das Gleiche wie Vi?

 

Meinung:

Lange genug habe ich mich nun schon um “Bodyfinder – Das Echo der Toten” von Kimberly Derting gedrückt und bin doch wirklich glücklich darüber, es endlich gelesen zu haben. Es ist eine wirklich spannende und fesselnde Geschichte über eine 16-Jährige, die eine nicht grausigere Gabe hätte haben können. Ich persönlich neige ja eher dazu, Violets Gabe als Fluch zu bezeichnen, denn, wenn man sich vorstellt, dass einem so etwas auch den Verstand rauben könnte, wenn man diese Dinge zu nahe an sich heranlässt, ist es für mich eher ein Fluch als eine Gabe. 

Trotz meiner persönlichen Einstellung zur “Gabe” der Protagonistin, finde ich die Idee, die die Autorin hier umgesetzt hat, dennoch gut und auch gelungen. Die Gabe von Violet bezieht sich glücklicherweise nicht nur auf ein markantes Zeichen, sondern kann in so vielen unterschiedlichen Varianten auftreten, dass es schon wieder eine gewisse Art von Faszination auszuüben scheint. Schade fand ich aber gerade in Bezug auf ihre Fähigkeit, dass diese dem Leser nur kurz einmal erläutert wurde und das nicht einmal ausreichend. Es wurde nur kurz erwähnt, dass sie diese Fähigkeit schon als kleines Kind hatte und sie von ihrer Großmutter geerbt zu haben scheint. Von welcher Großmutter und wie diese damit umgegangen ist, bleibt allerdings im Dunklen. Genauso wie die Frage, ob ihre Großmutter oder allgemein betrachtet, ihre Großeltern, noch leben. Zu der gesamten Familiensituation von Violet wird man als Leser nahezu im Dunklen gelassen. Zwar bekommt man den Eindruck, dass Violet sehr liebevolle Eltern hat, aber dennoch bekommt man als Leser keine Familienbande zu fassen. 

Ähnlich scheint dies auch mit der Beziehung zu Jay zu sein. Zwar handelt es sich bei Jay nicht nur um ihren besten Freund, für den sie mehr empfindet, dennoch schafft es die Autorin nicht, diese realistisch und auch emotional für den Leser rüberzubringen. 
 
Trotz der wirklich guten, flüssigen und fesselnden Erzählweise der Autorin schaffte es diese kaum, mich emotional an das Buch zu fesseln und die Charaktere mehr als oberflächlich erscheinen zu lassen. Die Charaktere wirkten alle sehr sympathisch, aber dennoch fehlte das gewisse Etwas, um sie von ihrer Oberflächlichkeit zu lösen und sie als prägnante Charaktere in mein Lesergedächtnis einzuprägen. 
 
Leider war zwar die Spannung schon in einem gewissen Maße vorhanden, konnte jedoch nicht von der Autorin vollständig aufrecht gehalten werden. Zu früh hatte ich als Leser eine Ahnung – die dann auch bestätigt wurde – wer der Täter war und wie sich das Verhältnis im Allgemeinen zu seiner Umwelt – nämlich, dass hier nicht nur ein Killer sein Unwesen trieb – darstellt. Zudem gibt es noch den bitteren Beigeschmack, dass die Autorin das Motiv des Mörders sowie die Bindung zwischen den beiden Mördern nicht aufklärt. In diesem Bezug bleiben einfach zu viele offene Fragen, die nicht einmal im Ansatz aufgeklärt werden. 
 
Die Geschichte von Violet und ihrer ungewöhnlichen Gabe wird hauptsächlich aus ihrer Perspektive geschildert Aber es gibt auch wenige Passagen, die aus Sicht des Mörders – welcher von beiden ist hier allerdings zeitweise fraglich – geschildert wird und seiner Jagd nach Frischfleisch. 
 
Trotz meiner Einschätzung zu “Bodyfinder”, der ja das Debütwerk der Autorin ist, werde ich mit Sicherheit auch einmal einen Blick auf den zweiten Band werfen, da ich schon gespannt darauf bin, ob die Autorin sich steigert. 

 

Bewertung:

Insgesamt betrachtet ist “Bodyfinder – Das Echo der Toten” ein fesselnder Roman mit einer Prise Krimi und Liebe, den man zwar gelesen haben kann, aber kein absolutes Muss darstellt. 

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