[Review] Vaughn, Carrie - Voices of Dragons

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2010
Sprache: Englisch
Seiten: 309
Verlag: Harper Teen
ISBN: 978-0-06-179894-8
Preis: ca. 12,99 €
Altersempfelung: ab 12 Jahren






Über die Autorin:

Carrie Vaughn survived her air force brat childhood and managed to put down roots in Colorado. Her first book, “Kitty and the Midnight Hour”, launched a popular series of novels about a werewolf named Kitty who hosts a talk-radio advice show. Ms. Vaughn has also written many short stories. This is her first work for young readers. Ms. Vaughn lives in Colorado. 


Klapptext:

On one side of the border lies the modern world: the internet, homecoming dances, cell phones. On the other side dwell the ancient monsters who spark humanity’s deepest fears: dragons. 
 
Seventeen-year-old Kay Wyatt knows she’s breaking the law by rock climbing near the border, but she’d rather have an adventure than follow the rules. When the dragon Artegal unexpectedly saves her life, the rules are abruptly shattered, and a secret friendship grows between them. 
 
But suspicion and terror are the legacy of human and dragon interactions, and the fragile truce that has maintained peace between the species is unravelling. As tensions mount and battles begin, Kay and Artegal are caught in the middle. Can their friendship change the course of a war?

 

Inhalt:

Nach dem zweiten Weltkrieg sind die Drachen aufgrund der Lärms und der Erschütterungen, die durch den Abwurf von Bomben hervorgerufen worden sind, aus ihrem Jahrhunderte währenden Schlaf aufgewacht und haben in verschiedenen Ländern Territorium für ihre Art verlangt und ein Abkommen geschlossen, dass keine Menschen über die geschaffenen Grenzen treten dürfen. 

60 Jahre später besteht dieses Abkommen immer noch, doch die Menschen und die Drachen führen keine Gespräche, sondern fürchten jeweils die andere Spezies. Kay, eine 16-jährigen Highschool-Schülerin, lebt an der Grenze zum Drachenland, ihr Vater ist der örtliche Polizeisheriff, der für die Einhaltung der Grenze zuständig ist, und ihre Mutter arbeitet für eine staatliche Einrichtung, die ebenfalls für die Grenzüberwachung zuständig ist. Da Kay gerne draußen in der freien Natur ist, wandert oder Freeclimbing betreibt, ist es kaum verwunderlich, dass sie sich eines Tages an der Grenze zum Klettern wiederfindet. Doch als Kay den Berg erklommen hat und das umliegende Gelände sowie den die Grenze markierenden Fluss näher betrachtet, geschieht das Unfassbare. Kay rutscht in dem Fluss aus und droht von der Strömung mitgerissen zu werden und zu ertrinken. 
 
Plötzlich jedoch ist Kay wieder an Land, zwar durchgefroren und nass bis auf die Haut, aber sie lebt und sieht sich einem Drachen gegenüber. Einem echten Drachen: riesiger, schuppiger Körper, große Schnauze, Krallen und einen langen Schwanz. Erschrocken darüber, was wohl als Nächstes mit ihr passiert und, dass der Drache sie möglicherweise fressen wird, überlegt sie, wie sie aus der Sache wieder rauskommen kann. Doch als der Drache plötzlich anfängt zu reden, ist sie erschrocken und beginnt sich mit ihm zu unterhalten. 
 
Der Drache, der sich selbst als Artegal vorstellt, erklärt ihr, dass er ihr nichts tun möchte, sondern sich einfach nur mit ihr unterhalten will. Erschrocken über die Erkenntnis, dass Drachen sprechen können, beginnt Kay sich mit Artegal anzufreunden. Regelmäßig treffen sich die beiden, um miteinander zu sprechen. Als dann eines Tages ein Flugzeug der Air Force auf Drachengebiet abstürzt sind Kay und Artegal erschrocken und fürchten, entdeckt worden zu sein. Doch anscheinend hat der Pilot des “verunglückten” Flugzeuges nicht mitbekommen, dass auf dem Rücken des Drachen ein Mensch gesessen hat. Nach und nach entspannt sich die Situation wieder und Artegal und Kay gehen von einem “Unfall” aus. Als dann aber erneut Jets der Air Force über die Grenze treten, scheint dies nicht mehr ganz so zufällig zu sein und in Kay regt sich der Verdacht, dass auch der “Unfall” der ersten Maschine gar kein Unfall war, denn die Air Force scheint einen Krieg mit den Drachen provozieren zu wollen. Doch zu welchem Zweck? 
 
Nach und nach eskaliert die Situation zwischen Menschen und Drachen immer weiter. Die Air Force greift die Drachen an und die Drachen greifen daraufhin die Menschen an, was natürlich auf beiden Seiten Opfer fordert. Eines der Opfer trifft Kay ganz besonders hart, denn es ist ihr Vater der bei einem von Drachen verursachten Brand ums Leben kommt. Trotzdem ist sie davon überzeugt, dass der Krieg zwischen Drachen und Menschen beendet werden muss und ihre Freundschaft mit Artegal kann genau dies bewerkstelligen. Kay tüftelt hierzu mit Artegal einen gewagten Plan aus. 
 
Wird dieser wirklich funktionieren? Können sie den Krieg zwischen Menschen und Drachen verhindern oder wird es noch mehr Opfer geben?

 

Meinung:

Wer glaubt, mit “Voices of Dragons” von Carrie Vaughn einen einfach gestrickten Jugendroman vor sich zu haben, irrt sich gewaltig. Auch ich war anfänglich sehr erstaunt darüber, in welche Richtung sich dieser Fantasy-Roman über Drachen entwickelt – und dies war auch einer der Gründe dafür, warum ich wirklich ungefähr die Hälfte des Buches gebraucht habe, um überhaupt in die Geschichte zu finden. 


Carrie Vaughn geht die Geschichte von Kay und der verzwickten politischen Situation zwischen Menschen und Drachen etwas ungewöhnlich an – nämlich auf die politische Art. So erfährt man einiges darüber, wie das Abkommen zustande gekommen ist und dass Drachen und Menschen seit Bestehen des Abkommens nicht mehr miteinander kommunizieren. Was natürlich auch einer der vielen gesellschaftskritischen Aspekte ist, die die Autorin damit aufgreift. Sie kritisiert hier eindeutig das Verhalten der Menschen – und auch der Drachen – dahingehend, dass sich niemals jemand darum gesorgt hat, eine Kommunikation zu den Drachen aufzubauen, um evtl. in Notsituationen miteinander Gespräche oder Verhandlungen führen zu können. Nein, es wurde einst einfach hingenommen, dass das Abkommen geschlossen wurde, aber über möglichen Gesprächsbedarf und ein Interesse daran, dass die beiden Arten sich besser kennenlernen, um so Missverständnissen, Vorurteilen und auch der existierenden gegenseitigen Angst entgegenzutreten, blieb bei Abschluss des Abkommens völlig unbeachtet. Sie kritisiert deutlich, dass, wenn der Mensch etwas nicht kennt, sich davor fürchtet und es aus Angst vernichtet. So ist es jedenfalls hier. 

Die mangelnde Kommunikation zwischen den Arten führt zeitweise immer wieder zu Missverständnissen und erst als Kay Artegal kennenlernt, begreift sie, dass Drachen eine intelligente Spezies sind, die nicht die Absicht haben, die Menschen ohne Grund anzugreifen, sondern in Frieden leben wollen. 
 
In einer doch sehr schwerfälligen Erzählweise, die sich wirklich erst zur Mitte des Buches hin steigert, erzählt die Autorin die Geschichte von Kay und Artegal ausschließlich aus der Perspektive von Kay. Anfangs wechselt die Szenerie nur zwischen Kay in der Schule oder zu den Gesprächen mit Artegal und zeitweise auch zu Kays Familienleben. Dadurch, dass die Handlung erst gegen Ende des Buches spannend wird, zieht sich die Geschichte wirklich unglaublich in die Länge. Ich hatte wirklich geglaubt, dass ich hier überhaupt keine Spannungshöhepunkte finden werde, doch als die ersten gegen Mitte des Buches auftauchten, war ich positiv überrascht, wie schlagartig sich die Geschichte verändert hat. Plötzlich war nicht mehr alles nur grauer Alltag, sondern pures Adrenalin. 
 
Dadurch, dass die Autorin sehr auf die politischen Aspekte der beiden Welten – insbesondere aus dem Blickwinkel der Menschen – bedacht war, wirkte die Handlungsumsetzung sehr realistisch und nachvollziehbar. Trotz dieser wirklich guten Umsetzung ließen dennoch die Charaktere etwas vermissen, nämlich Lebendigkeit. Egal, wie sehr ich Kay oder Artegal oder auch einen der anderen Charaktere gemocht habe, fehlte mir doch eindeutig, dass diese meistens recht passiv waren und einfach nur abgewartet haben. Erst gegen Ende des Buches werden Artegal und Kay, als das Fass sozusagen schon am Überlaufen ist, munter und beginnen sich aktiv in die Geschehnisse mit einzubringen. Dadurch wirkten beide nicht nur sehr passiv, sondern auch sehr oberflächlich und leblos. 
 
Einzig positiver Aspekt, der mir spontan in den Sinn kommt ist, dass es sich bei Artegal um einen echten Drachen handelt und nicht um einen dieser Art, der die Gestalt wandeln kann, weswegen die Geschichte auch in diesem Bezug einen Punkt für Realitätsnähe von mir bekommt. 
 
Achtung: Spoiler!!
Hiergegen ist das Ende nahezu schon eine absolute Qual und dafür verdient die Autorin eindeutig Punktabzug. Das Ende bleibt offen. Gerade als Kay und Artegal sich aktiv in die Geschehnisse einmischen und eine wirklich provozierende Geste an die gesamte Welt schicken, ist Schluss. Ich muss sagen, ich war wirklich baff. Gerade dann, wenn die Spannung am Höchsten ist, findet die Geschichte von Kay und Artegal ihr Ende. Es ist grausam, gemein und fies. Und umso fieser wirkt das Ganze, da nicht einmal feststeht, ob es einen zweiten Band zu den beiden überhaupt geben wird, denn davon wird nichts in der Danksagung erwähnt, noch irgendwo anders. Wirklich enttäuschend, seine Leser so bösartig in der Luft hängen zu lassen – und das im wahrsten Sinne des Wortes. 


Bewertung:

Eine Geschichte, die ich zwar lesenswert finde, aber man dennoch als Leser hart dran zu knabbern hat, da sich die Handlung unendlich in die Länge zu ziehen scheint. Die politischen und gesellschaftskritischen Aspekte verstärken auf Dauer nur die Zähigkeit der Geschichte und man ist als Leser nach einer Weile davon auch etwas genervt, da sich dieses politische Thema ständig zu wiederholen scheint. 



Dies ist zwar Carrie Vaughns erster Jugendroman, dennoch kennen viele Leser sie schon mit ihrer Kitty-Reihe, die ich persönlich nicht kenne und nach diesem Werk vielleicht auch noch eine Weile darum einen Bogen machen werde. 
 
Für alle, die es allerdings interessiert, kann ich schon jetzt sagen, dass im März 2011 ein zweites Jugendbuch der Autorin erschienen ist. Der Titel lautet “Steel”. Die Geschichte der dortigen Protagonistin würde mich schon reizen, dennoch, nach diesem zeitweise doch enttäuschenden Jugendbuch der Autorin, werde ich darum einen noch größeren Bogen als um die Kitty-Reihe machen. Vielleicht kann mir einer von euch ja sagen, wie er die Kitty-Reihe findet und ob sie lesenswert ist oder ihr habt “Steel” schon gelesen?

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