09.05.2011

[Review] Herrmann, Elisabeth - Lilienblut

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Originaltitel: -
Erschienen: 2010
Sprache: Deutsch
Seiten: 444
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16061-9
Preis: 17,95 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 





Über die Autorin:

Elisabeth Herrmann, geboren 1959 in Marburg/Lahn, arbeitet als Journalistin und lebt mit ihrer Tochter in Berlin. Zum Schreiben kam sie erst über Umwege – und hatte dann sofort durchschlagenden Erfolg mit ihrem Thriller “Das Kindermädchen”, der von der Jury der Krimi-Welt-Bestenliste als bester deutschsprachiger Krimi ausgezeichnet wurde und derzeit verfilmt wird. Seitdem macht Elisabeth Herrmann Furore mit ihren Thrillern und Romanen für Erwachsene. “Lilienblut” ist ihr erstes Jugendbuch.


Klapptext:

Es ist Sommer und der Rhein glitzert besonders silbern und verführerisch. Sabrina und ihre beste Freundin Amelie können stundenlang am Fluss sitzen, voller Fernweh und Hunger auf das, was Amelie “das Leben” nennt. Aber während Amelie vom Abhauen und der großen Freiheit träumt, scheint Sabrinas Zukunft festgelegt zu sein – soll sie doch den Weinberg ihrer Mutter übernehmen. Alles in Sabrina wehrt sich gegen dieses vorbestimmte Leben… Und dann lernen die beiden Mädchen einen Jungen kennen, der so ganz anders ist als alle Landratten und Winzersöhne.

Von dem 19-jährigen Kilian, der mit seinem Schiff einsam und allein am geheimnisvollen “toten Fluss” ankert, geht eine verstörende Anziehungskraft aus. Amelie verfällt ihm sofort – und will über Nacht mit ihm abhauen. Am nächsten Morgen findet man ihre Leiche. Und Kilians Schiff ist verschwunden…

 

Inhalt:

Sabrina ist total wütend und enttäuscht von ihrer Mutter, der natürlich nichts anderes eingefallen ist, als ihr zum 16. Geburtstag einen Weinberg zu schenken. Kann man sich das vorstellen? Einen Weinberg!! Frustriert darüber, dass anscheinend auch ihr Leben von vornherein verplant und vorherbestimmt sein soll, trifft sie sich mit ihrer besten Freundin, die auch gleich wieder die Aufwartungen von Lukas, dem Spross der Winzerfamilie Kreuzberg, bekommt und die beiden Mädels zu einer Spritztour in seinem sportlich schicken Motorboot einlädt. Bei dieser kleinen Spritztour entdecken die Mädels, dass anscheinend ein Schiff im verbotenen Teil des Flusses, der aufgrund einer schrecklichen Tragödie vor Jahren „der tote Fluss“ genannt wurde, vor Anker gegangen ist. Trotz ihrer Vermutung machen sich die beiden keine größeren Gedanken daran zurück und lassen sich von Lukas wieder an den Strand bringen und dort trennen sich die beiden Mädchen – Amelie um ihre Schicht im Eiscafé anzutreten und Sabrina um sich den Tag ein bisschen zu versüßen, denn schließlich wollen die beiden später noch gemeinsam etwas unternehmen und haben verabredet, sich am Eiscafé zu treffen. Während Sabrina zum Geburtstag von Amelie ein Eis spendiert bekommt, wird sie auf einen fremden Jungen aufmerksam, der sie anscheinend mit seinem Blick gebannt hat. Erst als Amelie auch auf ihn aufmerksam wird, scheint der Blickkontakt – und der Bann – zwischen ihr und dem Fremden gebrochen zu sein.


Amelie ist natürlich sofort Feuer und Flamme für den Fremden und vermutet seinen Aufenthalt an einer ganz bestimmten Stelle. Sabrina lässt sich von ihr überreden dort nachzusehen und ganz zu ihrem Erstaunen scheint Amelie Recht zu haben. Denn tatsächlich liegt ein ihr unbekanntes Schiff im Geheimen im „toten Fluss“ vor Anker. Neugierig beschließen die beiden, sich das Schiff genauer anzusehen und werden dabei schnellstmöglich von Kilian, dem attraktiven Fremden, überrascht. Kilian scheint sehr nett zu sein, unterhält sich mit den Mädchen und lädt sie für den Abend zum Essen ein. Natürlich sind beide einverstanden.
 
Die Mädchen kehren zu Amelie nach Hause zurück, um sich trockene und saubere Sachen anzuziehen und sich zu beraten, wo sie sich später treffen wollen. Jedoch kommt es später anders als zunächst geplant. Amelie erklärt Sabrina kurz bevor sie sich auf den Weg zu Kilian machen nämlich, dass er ihr ganz unmissverständlich signalisiert habe, dass er gern mit ihr allein sein möchte und da Sabrina keine Erfahrung mit Jungs hat, lässt sie Amelie ziehen, was sich später als folgenschwerer Fehler herausstellen soll. Denn am nächsten Tag wird die Leiche von Amelie gefunden und von Kilian fehlt jede Spur.
 
Hat Kilian tatsächlich Amelie umgebracht? Wenn ja, warum?
 
Angetrieben von ihrer Freundschaft zu Amelie und ihrer Neugierde darüber, dass Kilian möglicherweise der Mörder sein könnte, begibt sich Sabrina auf die Suche nach den Antworten und dem Mörder. Doch schnell scheint klar zu sein, dass hier nicht nur ein Mord vertuscht und ein möglicher Mörder geschützt wird, sondern, dass anscheinend die Leute der kleinen Stadt mehr Geheimnisse hüten, als man auf den ersten Blick ahnt. Unterstützt wird Sabrina bei ihrer Suche von Lukas, der einst selbst in Amelie verliebt war und sich nun anscheinend um Sabrina bemüht, und Beate, einer Schulfreundin. 
 
Kann mit den beiden zusammen Sabrina herausfinden, wer Amelie umgebracht hat und nun versucht, sie von ihren Bemühungen, den Täter zu finden, abzubringen? Wird sie Kilian jemals wieder sehen?

 

Meinung:

Irgendwie bin ich doch ein bisschen enttäuscht und zugleich positiv überrascht von “Lilienblut” von Elisabeth Herrmann. Ehrlich gesagt, hätte ich anfangs nicht gedacht, dass sich das Buch wirklich derart fließend und fesselnd lesen lassen würde. Allein die Beschreibung der Story wirkte anfänglich etwas langatmig, was sich aber dank des spannenden Erzählstils der Autorin glücklicherweise nicht bewahrheitet hat.

Allerdings hat sich etwas ganz anderes bewahrheitet, was ich zunächst auch befürchtet hatte. Nämlich, dass man ganz schnell – so ziemlich von Anfang an eigentlich – weiß wer der Mörder ist. Und so war es dann auch. Schon nach den ersten Seiten und dem ersten Auftreten des Mörders war klar, dass es nur dieser sein kann. Ich weiß nicht woran das liegt, dass ich meistens wirklich recht damit habe und auch mit der Motivation, die dahintersteht, aber hier war es einfach nur offensichtlich. Nach geschlagenen 150 Seiten später war ich dann schon etwas genervt davon, dass anscheinend die Protagonistin nicht einmal ansatzweise auf die Idee kam, in ihrem näheren Umfeld nach dem Mörder zu suchen – zumal ja die “Zeugenaussagen” doch recht eindeutig waren. Aber nein, man muss ja erst mit einer Waffe vor ihrer Nase herumfuchteln, damit sie checkt, wer denn nun der Böse ist. Das hat mich echt genervt und an den Rand der Verzweiflung getrieben, und ja, auch der Gedanke mit dem Kopf gegen die Wand zu laufen klang verführerischer, als Sabrina bei ihrer Suche nach dem Mörder zu folgen. 

Interessanter hingegen war zu erleben, was Kilian zwischenzeitlich erlebt und wie das Ganze teilweise mit seiner eigenen Vergangenheit verbunden zu sein schien. Zumal man als Leser auch irgendwann einfach nur noch wissen wollte, ob er eines Tages zu Sabrina zurückkehren würde. DAS – ich gestehe – war der einzige Grund, warum ich an diesem Buch hängengeblieben bin und es nicht einfach in die Ecke geworfen habe. Denn auch Kilian erlebt zwischenzeitlich immer mal wieder sehr interessante Abschnitte auf seiner Reise den Rhein rauf und runter.
 
Unterteilt ist die Geschichte von Sabrina (und Kilian) in die Abschnitte Sommer, Herbst, Winter und Frühling, und darin dann wieder in einzelne Kapitel. Bevor jedes Mal ein neuer Abschnitt beginnt, wird die Geschichte kurzzeitig – ungefähr ein kleines Kapitel lang – aus Kilians Perspektive geschildert. Die restliche Handlung wird aus Sabrinas Perspektive erzählt.
 
Die Charaktere an sich wirken gut durchdacht und umgesetzt, leider aber etwas zweidimensional und zu unbewegt für die zu verarbeitende Handlung. Sabrina ist zwar neugierig und aufgeweckt, dennoch auch etwas naiv und verblendet. Ständig hat man das Gefühl, dass man sie auf bestimmte Punkte erst aufmerksam machen – am besten sie mit dem Kopf darauf stoßen – muss. Beate hingegen wirkt für ihr Alter viel zu erwachsen und kindisch zugleich. Ihre mangelnde freundschaftliche Loyalität lässt zeitweise auch daran zweifeln, auf wessen Seite sie eigentlich steht und was ihre Ambitionen eigentlich sind. Sie ist sehr undurchsichtig und gerade deswegen auch ein Charakter, den man nicht nur mal schnell missverstehen, sondern auch misstrauen kann. Lukas hingegen ist von Anfang klar und deutlich. Man ahnt, was seine Ambitionen sind und bekommt auch zwischenzeitlich immer mal wieder einen kleinen Geschmack darauf, dass er tatsächlich nicht ganz den Erwartungen entspricht, die man dem Leser glaubhaft machen möchte. Dennoch ist er einfach – im Gegensatz zu Beate – einfach zu schnell zu durchschauen.
 
Als positiv empfand ich, dass die Autorin ihre Protagonistin hat tatsächlich Nachforschungen anstellen lassen und, dass man als Leser stets dabei war – auch wenn die Kombinationsgabe und Logik besagter Protagonistin anscheinend aus einem ganz anderen Universum zu stammen scheinen. Ebenso positiv fand ich, dass die Liebesgeschichte zwischen Sabrina und Kilian nicht derart böse breit getreten und als die große Liebe an die große Glocke gehängt wurde, sondern sich diese Verliebtheit – so unrealistisch wie sie letztendlich erscheint – im Laufe der Zeit gefestigt zu haben scheint – auch ohne sich jeden Tag gegenseitig auf den Keks zu gehen. Wie gesagt, einerseits fand ich es gut und abwechselungsreich, dass die Liebesgesichte zwischen den beiden eher im Hintergrund lief, andererseits lief sie dann doch etwas zu hintergründig. Ein etwas gnädiger gewählter Balanceakt wäre hier eindeutig die bessere Wahl gewesen. Zumal auch diese plötzliche Übereifrigkeit von Sabrina endlich ihre Jungfräulichkeit an den Nagel hängen zu können, wirklich sehr unrealistisch rüberkam – schließlich war sie ja einige Monate mit Lukas zusammen, ohne überhaupt auch nur im Ansatz mit diesem dieses Ereignis teilen zu wollen und schwups, steht Kilian vor ihr, will sie gleich mit ihm in die Kiste… äh … Koje hüpfen. Nicht gerade sehr überzeugend. O.o
 
Aber an sich ist “Lilienblut” ein vielversprechender Thriller für Jugendliche, der nicht zu gruselig und auch nicht zu blutig ist. Leider ist für den Leser viel zu schnell klar, wer der Mörder ist und warum. Es macht einfach keinen Spaß Sabrina bei ihren “Ermittlungen” zu folgen, da man sie am liebsten anschreien möchte, dass der Mörder ja hinter ihr steht. Wirklich zum Verzweifeln!

 

Bewertung:

Ein unterhaltsamer und spannender Jugendthriller, der sicherlich gut für verregnete und einsame Sonntage geeignet ist. Mehr aber leider auch nicht.

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