Direkt zum Hauptbereich

[Review] Oliver, Lauren - Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Originaltitel: Before I Fall
Erschienen: 2010
Sprache: Deutsch
Seiten: 445
Verlag: Carlsen
ISBN: 378-3-551-58231-7
Preis: 19,90 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 






Über die Autorin:

Schon als Kind hat Lauren Oliver leidenschaftlich gern Bücher gelesen und dann Fortsetzungen dazu geschrieben. Irgendwann wurden daraus ihre eigenen Geschichten. Sie hat Philosophie und Literatur studiert und kurz bei einem Verlag in New York gearbeitet. Dort bestand ihr Beitrag hauptsächlich darin, die Kleiderordnung zu missachten und immer wieder den Drucker kaputt zu machen. Lauren Oliver lebt in Brooklyn. “Wenn du stirbst… ” ist ihr erster Roman. 


Klapptext:

Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre?
Was würdest du tun?
Wen würdest du küssen?
Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten?

Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben. Stattdessen ist es ihr letzter… 

 

Meinung:

“Das Leben ist kein Wunschkonzert” ist der erste Satz, der mir spontan zu der Geschichte von Sam einfällt. Die Autorin beschreibt in diesem Buch das Leben in seiner gesamten Bedeutung auf unglaublich tiefgründige, emotionale, philosophische, fesselnde und sprachlich herausragende Art und Weise. “Wenn du stirbst…” ist eindeutig bisher eines meiner wenigen Highlights in diesem Jahr und kann ich kurz gesagt einfach nur empfehlen zu lesen. 
 
Lauren Oliver zeigt mit ihrem Erstlingswerk eindeutig, dass sie mit Worten umzugehen vermag, die ihre Leser in einen magischen Kokon einwickeln und gefangen halten, bis man das letzte Wort gelesen hat. Sie hat eine unglaubliche sanfte, einfühlsame und zugleich ausdrucksstarke Art, die Geschichte von Sam zu erzählen, was nur dadurch verstärkt wird, dass die Geschichte aus Sams Perspektive in der Ich- und Gegenwartsform erzählt. 

Zu anfangs war ich als Leser noch skeptisch gegenüber der Protagonistin, was sich dann später erst einmal in Abneigung und mit der Zeit in Sympathie umwandelte. Je mehr man Sam kennenlernte, desto sympathischer wurde sie. Zwar ging ich nicht immer mit ihren Handlungen konform, verstand sie aber mit der Zeit immer besser. Anders wie in anderen Werken, die ich kenne, wird die Protagonistin hier nicht als Ideal verkörpert, sondern als normaler Mensch mit einer Menge Fehler, die gerade dafür sorgen, dass sie dem Leser ans Herz wächst. 
 
Neben Sam gibt es ein paar Charaktere, die mir positiv in Erinnerung geblieben sind. Da wäre zum einen Juliet Sykes, die niemals wirklich die Möglichkeit hatte, sich aus ihrem Kokon zu befreien und stattdessen ein Leben führte, was man wohl nur als „die Hölle auf Erden“ bezeichnen könnte. Und dann noch Kent. Kent habe ich wirklich neben Sam und Juliet sehr in mein Herz geschlossen. Er war einer der aufrichtigsten, charmantesten und sympathischsten Charaktere des gesamten Buches. Denn Kent steht im Gegensatz zu Sam nicht auf der Hierarchieleiter der Schule ganz oben, sondern recht weit unten, ist durchschnittliches Mittelmaß und kann im Gegensatz zu Juliet gut damit umgehen, dass er nicht zu den beliebten Kids gehört – was ihn mir nur umso sympathischer macht. „Einziger“ Mangel – den man laut Sam an ihm ausmachen könnte – wäre wohl sein ungewöhnlicher Kleidungsstil. Aber mal ehrlich. Sind es wirklich Klamotten, die einen ausmachen oder sind es die Dinge die wir tun oder nicht? Was bleibt den Menschen wohl eher in Erinnerung? 
 
Genauso ungewöhnlich wie die Protagonistin zeitweise selbst, ist auch die Handlung. Ihr kennt doch sicherlich auch “Und täglich grüßt das Murmeltier“” So ähnlich ergeht es hier nämlich Sam. Seit der fraglichen Nacht wacht Sam immer wieder an diesem bestimmten Freitag auf und erfährt über sich und die Menschen in ihrem Umfeld immer wieder etwas Neues. So entdeckt sie z.B., dass ihr Freund gar nicht so perfekt ist, wie es immer den Anschein hatte, und, dass ihre beste Freundin selbst vor ihr Geheimnisse hatte, über die sie nicht sprechen möchte. Und, dass eine ganz bestimmte Schulkameradin gar nicht so “psycho” ist, für wie man sie immer abstempelt. 
 
Die Autorin verarbeitet in “Wenn du stirbst…” auf sonderbar angenehme Weise Thematiken, wie dass das Leben nicht immer nach Wunsch verläuft, Trauer, Verlust und seelische Qualen in der Jugend, Mitläuferschaften und, dass das Leben von einem Moment auf den anderen einfach zu Ende sein könnte, dass man die Zeit, die man hat, einfach sinnvoll nutzen sollte. 
 
!!!Achtung Spoiler!!!
In einigen Bewertungen zu dem Buch konnte ich nachlesen, dass einige mit dem Ende des Werkes nicht ganz zufrieden sind und ich frage mich ehrlich gesagt, warum. Ich – wenn ich dieses herausragende Werk geschrieben hätte – hätte mich trotz der Zweischneidigkeit der Situation für dasselbe Ende entschieden. Natürlich ist es traurig – und das nicht nur für Sam -, dass sie stirbt, aber dennoch ist es ein natürliches und nachvollziehbares Ende, was einem immer wieder die Frage zu Füßen wirft: Hätte ich genauso gehandelt? Hätte ich statt mein eigenes Leben zu retten auch das meiner Schulkameradin gerettet, um ihr zu zeigen, dass das Leben einen Sinn hat, aber man dafür etwas tun muss? Richtig leid tat mir das Ende für Juliet und Kent. Juliet, die sich ewig wahrscheinlich Vorhaltungen macht, dass ein anderes Mädchen ihr Leben für sie gegeben hat, und Kent. Kent, der gerade erst herausgefunden hat, dass Sam ihn auch mag und der sich Hoffnungen macht, die jäh und schnell zerrissen werden. Für Kent war es meiner Ansicht nach mit einer der schmerzlichsten Momente miterleben zu müssen, Sam für immer zu verlieren.
!!! Spoiler Ende!!!

Alles in allem sorgt die ungewöhnliche Umsetzung der Geschichte, die prägnante Protagonistin und die sprachlich herausragende Art der Autorin, die Geschichte zu erzählen, dafür, dass “Wenn du stirbst…” ein wahrer Hochgenuss für jeden Lesehungrigen darstellt. 

 

Bewertung:

Ein absolutes MUSS für jeden Lesehungrigen. 



Von der Autorin ist bereits ein zweites Buch in originalsprachlicher Ausgabe unter dem Titel “Delirium” erschienen, welches sich seit ein paar Tagen auch auf meinem SuB befindet und sicherlich demnächst einmal ganz schnell verzehrt wird.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

[Review] Dahl, Victoria – Bad Boys Do (Donovan Brothers Brewery #2)

About the author: Victoria Dahl lives with her family in a small town high in the mountains. Her first novel debuted in 2007, and she’s gone on to write seventeen books and novellas in historical, contemporary, and paranormal romance. Victoria's contemporary romance, Talk Me Down, was nominated for both a RWA Rita Award and the National Readers' Choice Award. Since then, her books have been nominated for two more Rita Awards, and she hit the USA Today Bestseller list with the anthology Midnight Kiss.
Description: Olivia Bishop is no fun. That's what her ex-husband said. And that's what her smart bob and glasses imply. So with her trademark determination, Olivia sets out to remake her life. She's going to spend time with her girlfriends and not throw it all away on some man. But when an outing with her book club leads her to a brewery taproom, the dark-haired beauty realizes that trouble — in the form of sexy Jamie Donovan — may be too tempting to avoid. 
Jamie Donovan …

Leipziger Buchmesse 2017 – im nächsten Jahr wieder?

Bevor ich hier anfange, gleich richtig in die Tastatur zu hämmern, möchte ich gleich eines vorwegnehmend klarstellen: DAS ist jetzt kein Erlebnisbericht über den gestrigen Messebesuch. Wer das denkt bzw. erwartet, sollte gleich weiterblättern. Denn dazu ist der Beitrag nicht gedacht. Ja, es war ein schönes, aber auch sehr anstrengendes Erlebnis. Das ist und bleibt auch mein Fazit. Da brauche ich nicht extra umschreiben, an welchen Ständen und in welchen Hallen ich unterwegs war. Oder wollt ihr davon etwa schon wieder den x-ten Beitrag lesen? Nein? Dann dürft ihr gerne weiterlesen. 😉

[Crazy Reads] Februar 2012

Momentan bin ich irgendwie so beschäftigt, dass ich nicht wirklich zu irgendetwas komme. Seitdem ich beschlossen habe, mehr aus mir raus zu gehen, und auch vor die Tür, habe ich mich am Montag nach vier Handtüchern und einem Bademantel (= Saunabesuch) und dem lieben Hinweis von Soleil auf ihrem Blog dazu entschlossen, ganz spontan zur Leipziger Buchmesse zu fahren. Deswegen bin ich ehrlich gesagt etwas beim Planen und Gucken etc. Alles was halt dazu gehört. Will ja schließlich den Tag, den ich dort verbringen werde, sinnvoll nutzen.
Leider haben meine besten Freundinnen keine Zeit, mich zu begleiten, wofür ich Verständnis habe. Auch das andererseits bekundete Interesse seitens meiner Schwester nützt leider nicht viel, da sie arbeiten muss. Bei mir klappt somit nur der Samstag. Ich hoffe, ich kleines scheues Reh werde den Tag unbeschadet überstehen. *bibber* 
Aber nun erst einmal zu meinen gelesenen Büchern im Februar. Mal ehrlich, haben wir echt schon wieder März? Ist echt schon fast d…