[Review] Howe, Katherine - Das Hexenbuch von Salem

Taschenbuch
Erschienen: 2011
Originaltitel: The Physick Book of Deliverance Dane
Sprache: Deutsch
Seiten: 497
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-47374-8
Preis: 9,99 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 






Über die Autorin:

Katherine Howes Familie stammt aus der Nähe von Salem, einer kleinen Stadt in Massachusetts, die traurige Berühmtheit durch die Hexenverfolgungen im späten 17. Jahrhundert erlangte. Seit ihrer frühen Kindheit wusste Katherine Howe, dass sie mit Elizabeth Proctor, die der Hexerei angeklagt wurde, den Prozess aber überlebte, und Elizabeth Howe, die in Salem als Hexe gehängt wurde, verwandt ist. Das Wissen um die ‚Hexen‘ in ihrer Familie hat schon immer ihre Phantasie beflügelt. Und mit ihrem Roman hat Katherine Howe den Hexen von Salem ein unvergessliches Denkmal gesetzt. 


Klapptext:

Connie Goodwin ist eine herausragende Studentin der Harvard Universität und interessiert sich besonders für die Geschichte Neuenglands im 17. Jahrhundert. In ihrer Doktorarbeit soll es dann auch um die Hexenverfolgungen in Salem gehen, die Connie schon lange faszinieren. Doch gerade als sie sich in die Arbeit stürzt, muss sie in ihrer knappen Freizeit auch noch das halbverfallene Haus in Ordnung bringen, in dem ihre Großmutter einst gelebt hat. Zumindest ein Gutes hat die Sache allerdings: Das abgelegene und reichlich verwunschen wirkende Cottage gehört zu dem Küstenstädchen Marblehead, das ganz in der Nähe von Salem liegt. In den dortigen Kirchenregistern hofft Connie, alte Dokumente über die Hexenprozesse zu finden, und ist froh, dass ihr der junge Restaurator Sam bei den Recherchen helfen will. 

Doch auch im Haus ihrer Großmutter macht Connie eine eigentümliche Entdeckung. Sie stößt auf ein vergilbtes Pergament, das sie auf die Spur eines alten Buches mit sonderbaren Formeln und Rezepten bringt. Als sie ihrer Mutter Grace von dem Folianten erzählt, ist diese nicht überrascht: Grace weiß von dem Buch, das lange im Familienbesitz war, und warnt ihre Tochter, sich damit zu beschäftigen. Tatsächlich gehen bald Dinge vor sich, für die Connie keine natürliche Erklärung findet. Offensichtlich bergen die alten Rezepte eine magische Kraft – und das bringt nicht nur Connie, sondern auch Sam in höchste Gefahr… 


Meinung:

Seit geraumer Zeit nun versuche ich, mich nicht über irreführende Buchbeschreibungen bzgl. Klapptexten aufzuregen, aber wenn dies im vorliegenden Fall nun auch dazu führt, dass man eine andere Handlung und letzten Endes auch noch ein Werk geboten bekommt, was schwächer als besagter Klapptext ist, finde ich dies zwar auf makabere Art und Weise bemerkenswert, aber auch diskussionswürdig. Denn nur 1/4 des angepriesenen Klapptextes stimmen – wenn überhaupt. 

Ich werde versuchen, trotz der vielen Kritikpunkte, die ich anführen kann, nicht ganz so viel über die Geschichte zu verraten, auch wenn ich einige Punkte klarstellen möchte, damit andere interessierte Leser nicht auch in die ‚Klapptextfalle‘ laufen und am Ende ebenso erschlagen und enttäuscht sind wie ich. 

Mit 497 Seiten ist “Das Hexenbuch von Salem” ein nicht gerade dünnes Buch, was durch den zähen und schwergängigen und meist komplexen Erzählstil der Autorin dermaßen in die Länge gezogen wird, dass man als Leser das Gefühl bekommt, nie zum Ende durchzudringen. Neben diesem zähen Erzählstil unterstreicht der spannungslose Handlungsverlauf, der sich zu gut 80 % auf die Recherchen, die nebenbei meistens erfolglos sind, nur noch die Zähigkeit. Natürlich habe ich persönlich nichts gegen Recherchen und auch nichts dagegen, der jeweiligen Protagonistin über die Schulter zu schauen, da diese die Geschichte erst authentisch erscheinen lassen, aber davon immer – 80 % des Gesamtwerks – ohne irgendwelche Erfolge oder Spannungshöhepunkte Gebrauch zu machen, ist einfach zu viel, zu zäh und zu trocken. Einfach gesagt: nervenaufreibend! 

In diesen zähflüssigen Erzählstil und Handlungsverlauf fließen die relativ unscheinbaren und eindimensionalen Charaktere mit ein, die ebenfalls die Zähigkeit unterstreichen. Hier wäre zum einen die junge Protagonistin, die gleich zu Beginn der Geschichte ihre Prüfung zur Zulassung für ihre Dissertation ablegt und damit zeigt, wie intelligent sie ist, aber von der man im weiteren Verlauf einfach nicht zu viel erwarten darf, da einfach der emotionale Teil viel zu kurz kommt und platt wirkt; einfach keine Protagonistin, mit der man sich auf emotionaler Ebene verbunden fühlt. Zwar ist Connie intelligent, stur und ehrgeizig, wirkt auf den Leser allerdings blind für ihre Umgebung. Sie sieht z.B. von vornherein nicht, wer sie für seine/ihre Zwecke zur Marionette macht, sondern wird sich des Übeltäters erst bewusst, als er vor ihr steht und quasi seine Schandtaten gesteht. Nebenher wirkt auch die Liebesbeziehung zwischen Connie und Sam unauthentisch. Man merkt weder von Connies noch von Sams Seite aus, welche Emotionen jeweils für den anderen vorhanden sind – kein Kribbeln, kein Knistern. Nix. Wären da nicht die ein oder zwei Kussszenen zwischen den beiden gewesen, wäre ich wahrscheinlich dem Glauben verfallen, dass die beiden ‚nur gute Freunde‘ sind. 

Wie erwähnt, ist die Handlung zu trocken und die Charaktere zu eindimensional, was natürlich den religiösen Teil der Geschichte, der egal ob er vorder- oder hintergründig spielt, immer präsent ist und die zähflüssige Geschichtsstory noch zäher macht. 

Einzig positiv anzumerken sind die geschichtlichen Aspekte, die sehr authentisch wiedergegeben werden. Manchmal fließen sie in den gegenwärtigen Handlungsverlauf, der im Jahre 1991 spielt, mit ein und manchmal in einen (fiktiven) Rückblick in die Zeit der Hexenverfolgungen des Jahres 1692, und somit zu Deliverance Dane und ihrer Geschichte, die hier gesehen rein fiktiv wiedergegeben wurde. Die wahre Geschichte der Deliverance Dane wird am Ende des Buches aufgeklärt, welche ich hier an dieser Stelle nicht weiter erläutern möchte. 


Bewertung:

Ein interessantes Buch über die Hexenverfolgungen in Salem. Bedauerlicherweise ist die erzählte Geschichte zu zäh, trocken und langatmig, sodass einem zwischenzeitlich die Lust am Lesen verlässt, was durch die platten und eindimensionalen Charaktere nur unterstrichen wird. 

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