[Review] Beaufrand, Mary Jane - Dunkle Wasser

Gebundene Ausgabe (ohne Schutzumschlag)
Erschienen: 2011
Originaltitel: The River
Sprache: Deutsch
Seiten: 261
Verlag: Coppenrath
ISBN: 978-3-8157-5094-0
Preis: 12,95 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren 





Über die Autorin:

Mary Jane Beaufrand is the author of Primavera and Dark River (formally The River), and several short stories. She has an MFA in Creative Writing from Bennington College. She lives with her husband, two kids, drooling Saint Bernard, and wussy Basset hound in Seattle, Washington 


Klapptext (Buchrückseite):

Als Veronica die Leiche der kleinen Karen am Ufer des Santiam River findet, ist sie bis ins Mark erschüttert. Sie kann nicht glauben, dass das Mädchen einem Unfall zum Opfer gefallen ist. Aber wer wäre in der Lage, ihr so etwas anzutun? Besessen davon, Karens Tod aufzuklären, dringt Veronica immer tiefer in die Wälder rund um den wilden Fluss vor. Doch sie ahnt nicht, welch dunkles Geheimnis sich in ihnen verbirgt. Und plötzlich muss sie selbst um ihr Leben rennen… 


Meinung:

Als ich mir “Dunkle Wasser” seinerzeit kaufte, hatte ich keine großen Erwartungen an die Geschichte. Umso überraschter war ich, als ich mich der Geschichte annahm und von der ersten Seite an in ihr versank. 


Angenehm überrascht war ich auch von dem flüssigen Erzählstil, in dem eine Traurigkeit mitschwang, die die Geschichte lebendig erschienen ließ und man sich als Leser wünschte, die kleine Karen “lebendig” gekannt zu haben statt nur aus den Erinnerungen der Protagonistin. Diese wirkten ebenso lebendig wie ihr Alltag, da die Geschichte aus der Perspektive von Veronica in der Ich-Form geschildert wird. 

Als Leser wandert man sozusagen in Veronicas Alltag hin und her, erlebt eigentlich keine spannenden Abenteuer – außer den vergangenen mit Karen, die ein wirklich abenteuerlustiges kleines Mädchen war und ständig die Umgebung ihres Heimatortes erkundet hatte. Bis zu dem Tag, an dem Veronica den kleinen Körper leblos im Fluss fand. Immer nur im Unterbewusstsein von Veronica schrillt eine Stimme wider, die das Geschehene nicht begreifen, akzeptieren, will und keine Ruhe gibt, bis sie erkennt, was an dem Gesamtbild nicht stimmt; Karen war viel zu schlau und kannte sich in der Umgebung besser aus als sonst wer. Doch wer würde einem kleinen Mädchen etwas antun? Und da Veronica das nämlich selbst nicht glaubt, beruhigt sie sich selbst mit dem Gedanken daran, dass es ein Unfall war. Erst als Veronicas beste Freundin auf einer Party fast stirbt, beginnt sie stutzig zu werden und Nachforschungen anzustellen. Nachforschungen, die bald ihr eigenes Leben bedrohen. 

Zuerst geht man als ebenso blind durch die Geschichte und sieht nicht, was wirklich vor sich geht, da man selbst – ebenso wie Veronica – eigentlich überhaupt keine Anhaltspunkte sieht. Erst als sich ein Paar Puzzleteile zeigen, bekommt man eine Ahnung, was wie zusammenhängen könnte. Und was man geboten kriegt, ist schon wieder so riesig, dass man einfach nicht versteht, wie man es übersehen konnte. Wenn man es weiß, ist es simpel, aber der Knackpunkt der Geschichte und in der Umsetzung war, dass man als Leser regelrecht in den Trauerumhang der Protagonistin eingewickelt wurde und nahezu nix anderes mehr wahrnahm. 

Veronica ist eigentlich eine aufgeschlossene junge Frau, die mit dem Umzug in die Kleinstadt nicht gut zurechtkam. Erst Karen brach ihre Nussschale etwas auf und brachte Licht in ihre Dunkelheit, weswegen die Einmummelung in ihre Trauer nur umso verständlicher war, da Karen ein liebgewonnener Bezugspunkt gewesen war. Nach und nach öffnet sie sich ihrer Trauer und beginnt, ihre Umgebung wieder wahrzunehmen. Dabei hilft ihr ihre etwas durchgeknallte Schulfreundin, die seit dem Tod von Karen nicht nur ihre einzige, sondern auch ihre beste Freundin ist. Dazu gehört auch der schüchterne Tomás, der sie stets aus der Ferne beobachtet und über sie wacht. Erst ein ziemlich high machendes Schmerzmittel im Krankhaus lockert seine verschlossene Haltung Veronica gegenüber. Diese Krankenhaus-Szene bringt mich jetzt noch zum Grinsen, wenn ich nur daran denke. Amüsant, sag ich da nur.  

Ebenso unterstützt wird sie von ihren Eltern, die eher einen unscheinbaren Part einnahmen. 

Zwar sind alle Charaktere sympathisch umgesetzt, allerdings fehlt es ihnen an Tiefe, die sie, ebenso wie die Handlung, lebendig erscheinen lässt. 


Bewertung:

Einer der wenigen Jugendthriller der letzten Jahre der mich begeistert hat; schön erzählt, ohne auf Anhieb zu viel von der Geschichte und ihren Hintergründen zu verraten, und sympathische Charaktere, die sogar Potential für mehr hätten. 

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