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[Review] Benkau, Jennifer - Dark Canopy (Dark Canopy #1)

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2012
Sprache: Deutsch
Seiten: 525
Verlag: Script 5
ISBN: 978-3-8390-0144-8
Preis: 18,95 €
Altersempfehlung: ab 16 Jahren






Über die Autorin:

Jennifer Benkau wurde 1980 in Solingen geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann, drei Kindern und zwei Katzen inmitten lauter Musik und vielen Büchern lebt. Nachdem sie in ihrer Kindheit Geschichten in eine Schreibmaschine gehämmert hatte, verfiel sie pünktlich zum Erwachsenwerden in einen literarischen Dornröschenschlaf, aus dem sie zehn Jahre später, an einem verregneten Dezembermorgen, von ihrer ersten Romanidee stürmisch wachgeküsst wurde. Von dem Moment an gab es kein Halten mehr. “Dark Canopy” ist ihr erster Roman für junge Erwachsene.


Klapptext:

Die Percents, für den dritten Weltkrieg geschaffene Soldaten, haben die Weltherrschaft übernommen und unterjochen die Menschen. Rebellenclans versuchen, außerhalb des Systems zu überleben. Mit ihnen kämpft die 20-jährige Joy gegen das Gewaltregime. Doch dann fällt sie dem Feind in die Hände und muss feststellen, dass sich auch unter den vermeintlichen Monstern Menschlichkeit findet. Und sogar noch mehr…


- Hinweis: Der weitere Beitrag enthält möglicherweise Spoiler! -


Meinung:

“Dark Canopy” ist der erste Band einer Dilogie, der mich ehrlich gesagt kalt erwischt hat und mich unruhig und voller Freude auf den zweiten Band hinfiebern lässt. Am liebsten würde ich der Autorin beim Schreiben über die Schulter gucken, nur um zu wissen, wie es endlich weitergeht.


Die von Frau Benkau hier kreierte Welt hat mich von der ersten Seite an gefesselt und ich habe stetig mit Joy, Neél und Matthial mitgefiebert, -gehofft, und –gebangt. Richtig genossen habe ich es, mich von dieser Welt gefangen nehmen zu lassen.

Altersempfehlung
16. Eindeutig 16. Was Gewalt angeht, bin ich ja bereit einiges zu hinzunehmen, aber sobald sich diese auf ziemlich schmerzliche Weise gegen Kinder und Neugeborene richtet, betrachte ich eine Altersempfehlung schon gern einmal kritischer, wie hier vorliegend der Fall ist. Diese eine Szene war so plastisch beschrieben, dass ich allein schon beim Lesen sehr mit den Tränen kämpfen musste. Es war herzzerreißend traurig. Auch die indirekte Gewalt, die in ihrer Beschreibung zwar nicht direkt zur Ausführung gegen die junge Protagonistin kamen, sondern gegen Amber, war nicht gänzlich zu verachten. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf Implizierungen hinsichtlich Vergewaltigungen sowieso gerne einmal etwas bissiger reagiere.

Sprachliche Umsetzung
“Dark Canopy” ist mein erstes Buch von Frau Benkau und ich hatte ehrlich gesagt keine großen Hoffnungen, dass mir das Buch oder ihr Schreibstil gefallen könnte. Aber ich wurde überrascht und schnell habe ich mich in ihrem angenehmen Erzählstil, der mich von Beginn an fesselte, auf den Wogen der Geschichte dahintreiben lassen.

Die Story
In einem Rebellclan in einem Wald nahe einer größeren Stadt, die von den Percents regiert wird, lebt Joy in ständiger Angst entdeckt zu werden. Doch Joy ist anders wie die anderen Mädchen ihres Clans, sie ist selbstständig und versucht sich möglichst selbst schützen können. Sie gehört zu den wenigen jungen Mädchen, die kämpfen können und ehrgeizig sind. So übernimmt sie, wie jeder aus dem Clan, Handel mit Stadtbewohnern, um das Überleben in der Wildnis zu sichern. Bei einem ihrer “Stadtbesuche” werden sie und ihre beste Freundin von Percents überrascht, wobei Joy entkommen kann und ihre Freundin gefangen genommen wird. Um Amber zu retten, unternehmen sie, Matthial und ein paar andere Clanmitglieder eine gefährliche Rettungsmission bei der Joy ebenfalls in Gefangenschaft gerät, Matthial fliehen kann und der Rest der Gruppe getötet wird. Von da an muss Joy täglich neu ums Überleben kämpfen, denn sie wurde von einem Percent an einen anderen Percent weitergegeben für den sie als Soldat am Chivvy teilnehmen soll. Ihre Chancen dieses grausame Ritual zu überstehen, stehen nicht günstig. Doch kann sie es mit Neéls und Matthials Hilfe dennoch schaffen?

Ich muss ehrlich sagen, auf diesen 525 Seiten wird es nie langweilig, man lernt ständig etwas Neues kennen und verliert sich immer mehr in dieser Welt, die einem anfangs so fremd ist und letzten Endes aber gar nicht abwegig erscheint. Denn wer weiß, ob das Erzeugen künstlichen Lebens nicht irgendwann doch noch der große Burner in der Wissenschaft wird.

Percents
Die Percents sind eine Gruppe “Übermenschen”, geschaffen um anfänglich als Organspender für kranke Menschen zu dienen und später zum Krieg modifiziert worden sind. Im Leid dieser Ungerechtigkeit haben sich die Percents dieser Welt zusammengeschlossen, um die Menschen ihrem Willen unterzujochen und sich für die erlittene Pein zu revanchieren. Wenn man sieht, welches Leid diese Gruppe Menschen, die zwar künstlich erschaffen worden ist, durchgemacht hat, kann man auch ihren Drang nach Freiheit und Rache verstehen. Gleichfalls kann ich aber auch den Wunsch der Menschen verstehen, immerhin menschenwürdig und ohne Angst, jeden Moment von einem Percent getötet zu werden – nur weil man ein Mensch ist –, zu leben. Joy ist in dieser düsteren und grausamen Welt geboren und aufgewachsen. Jeden Tag ist es den Menschen nur gestattet zwei Stunden das Licht der Sonne zu erblicken, dann wird diese von Dark Canopy wieder verdunkelt und verschwindet hinter einem Wall aus Dunkelheit. Denn so modifiziert wie die Percents auch sein mögen, Sonnenlicht verträgt ihre äußerst sensible Haut nicht.

Ort des Verbrechens
Die Handlung spielt in Großbritannien. Okay, für eine deutsche Dystopie möglicherweise etwas ungewöhnlich, aber um die Geschichte realistisch erscheinen zu lassen, gerade richtig. Denn das Land, in dem Joy lebt, wird ausschließlich von Percents regiert und die Menschen haben keine Rechte. Erst nachdem Neél und Joy sich besser kennen lernen und einander zu vertrauen beginnen, erfährt man als Leser mit Joy gemeinsam, dass die Situation nicht in allen Ländern gleich ist und in manchen Menschen und Percents gleichberechtigt nebeneinander herleben. Und um das Ganze etwas besser vertuschen zu können, dass eben in anderen Ländern die Situation der Menschen nicht gänzlich so ausweglos ist, eignet sich eine Insel als Schauplatz des Verbrechens wirklich ganz hervorragend. Eine wirklich kluge Entscheidung, die Geschichte auf diese Örtlichkeit zu verlegen.

Chivvy
Das Chivvy ist ein ziemlich grausamer, blutiger und gewaltsamer Initiationsritus der Percents, um die Stellung eines Percents in deren Gesellschaft zu ermitteln. Der Percent, dessen Mensch bei dieser Jagd am längsten durchhält oder es gar schafft, es zu überleben bzw. zu fliehen, erhält die höchste Wertung und somit eine bessere Stellung in deren militärische Gesellschaft. Hierzu haben die Percents einige Monate Zeit ihren Menschen entsprechend auszubilden.

Regierungssystem
Das Regierungssystem der Percents ist für mich noch immer unerschlossen. Es ist zwar klar, dass deren Gesellschaft einer gewissen militärischen Hierarchie entspricht und von einer Triade angeführt wird. Aber wie diese Triade gebildet/gewählt wird und wer dort wie landen kann, bleibt im Dunkeln. Gern hätte ich mehr über die politische Situation der Percents gelernt und gewusst, ob diese ein demokratisches oder eher diktatorisches System verfolgen. Auch nach welchen Kriterien genau die Hierarchie innerhalb der Percent-Gesellschaft bestimmt wird. Ob es selbst nach dem Chivvy noch Auf- bzw. Abstiegsmöglichkeiten gibt.

Die Charaktere
Auch die Umsetzung der Charaktere ist ihr wirklich gut gelungen. Wirklich überraschend, wo ich mich doch momentan wie eine kritische Zicke fühle, die an allem rumnörgelt. Aber dieses Buch mit seinen wirklich unterschiedlichen, liebenswerten und teilweise auch emotionalen Charakteren hat mich begeistert.

Joy ist die Protagonistin der Geschichte, aus deren Sichtweise die Story größtenteils in der Ich-Perspektive erzählt wird, was wirklich sehr angenehm zu lesen war, da man dadurch ihre raue und leicht ruppig wirkende Art, die auf andere sicherlich etwas kalt und emotionslos wirkt, besser versteht. Auch lernt man aus ihrer Perspektive diese ganze Welt kennen und alle neuen Aspekte, die sie erst mit der Zeit zu verarbeiten beginnt. Denn ein so vertrautes Verhältnis, wie nach Monaten des Trainings zwischen ihr und Neél herrscht, herrschte nicht von Beginn. Misstrauen und Hass prägten die erzwungene Gemeinschaft der beiden, die mit der Zeit in ein Vertrauens-, ja sogar freundschaftliches Verhältnis umschlägt. Und erst von diesem freundschaftlichen Verhältnis aus entwickelt sich zwischen den beiden durch einfache und kleine Gesten, die im totalen Kontrast zu ihrer Außenwelt stehen, mehr als die beiden je zu hoffen gewagt hätten und keiner möchte den anderen aufgeben – selbst wenn deren Leben davon abhängt. Joy ist ehrgeizig, stark und bereit, für die Leute, die sie liebt, ihr Leben zu geben; sie ist intelligent, aber teilweise zu unerfahren, um das ganze Spektrum ihres Handels bis ins Detail kalkulieren zu können und ihre Sturheit lässt sie manchmal wie eine verzogene Göre wirken, auch wenn ein guter Wille dahintersteht; sie ist auch manchmal einfach nur zu egoistisch, um über den Tellerrand hinwegzusehen. Aber diese Imperfektionen machen sie zu einer angenehmen und lernfähigen Protagonistin, die letzten Endes sich für das Richtige entscheidet, aber nicht die Möglichkeit bekommt, dies auch umzusetzen. Ihr Schmerz in der letzten Szene war schon fast körperlich fühlbar und ich musste mir unheimlich böse auf die Lippen beißen, um nicht wirklich noch loszuflennen. *schnief* Außerdem mochte ich an Joy, dass sie nicht diese Jungfer-in-Nöten-Rolle innehat, wie es bei vielen Protagonistinnen in Jugendbüchern – und ja, auch in Dystopien – der Fall ist, sondern sie ist eine erfahrene junge Frau von 19 Jahren, die sich nicht der Illusion Liebe hingibt, sondern sich durch ihre Gefühle – egal, ob für Neél oder Matthial – nicht blenden lässt.

Matthial ist der beste und Jugendfreund von Joy, der nicht nur ihr erster Liebhaber ist, sondern sie auch liebt und alles für sie tun würde. Er ist der Stratege des Clans, aber sogar zeitweise noch egoistischer und verfahrener als Joy selbst. Seine Beweggründe sind zwar nachvollziehbar und er versucht Joy um jeden Preis zu retten, selbst wenn er dafür andere töten muss. Er ist der zweite erzählende Charakter in dieser Scheinfreundschaft, die letzten Endes zu Lasten von Joy geht, und mehr zerstört als rettet.

Neél ist der junge Varlet, der Joy für das Chivvy trainiert und hofft, sie irgendwie retten zu können. Er ist jung, ehrgeizig und wirkt auf den ersten Blick arrogant. Auf den zweiten wird einem klar, dass er einfach nur versucht, seine Unsicherheiten unter einer Maske zu verbergen. Erst als Joy – und man selbst als Leser – ihn besser kennen lernt, lernt man auch ihn und seine Welt besser kennen. Eine Welt, die zwar grausam ist, aber noch lange nicht so, wie Joy lange Zeit glaubte. Auch nimmt er nicht einfach Tatsachen hin, er hinterfragt Sachen, auch wenn es ihn in Gefahr bringt und versucht zu schützen, was ihm lieb und teuer ist. Im Gegensatz zu anderen seiner Art hegt er ehrliche Freundschaften mit anderen Percents und auch mit Menschen. Zudem betrachtet er die Situation der Menschen mit kritischem Blick und findet diese Ungleichbehandlung unwürdig. Man könnte ihn sozusagen als Rebellen in den eigenen Reihen bezeichnen, der sieht, dass der momentane Umgang mit den Menschen nur Gegenhass und Gewalt und wahrscheinlich einen weiteren Krieg zur Folge haben könnte. Er versucht Joy nicht nur für seine Welt zu öffnen, sondern sich auch nach und nach ihrer zu öffnen. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden ein gleichberechtigtes Band und Joy wird in Neéls Geheimnisse miteinbezogen.

…und Romantik gibt es in jeder Trostlosigkeit
Auch wenn die durch Frau Benkau kreierte Welt blutig, grausam und gewalttätig ist, so schafft sie es doch zwischen Neél und Joy eine Verbundenheit darzustellen, an die ich ehrlich gesagt gar nicht geglaubt hatte, dass diese möglich ist. Mithilfe kleiner Gesten in schwierigen Situationen, egal, wie simpel und merkwürdig sie anmuten, war es möglich Vertrauen zwischen den beiden zu erschaffen. Durch das hart erkämpfte Vertrauen entstand mit der Zeit mehr; Vertrauen das nicht missbraucht werden wollte und eine Freundschaft, die man erhalten wollte. Aus Freunde wurden Vertraute und aus Vertraute… ein leichtes Knistern hier und da. In einem angenehmen und nicht übertriebenen Maße wurde die Liebesgeschichte der beiden nachvollziehbar und stimmungstechnisch passend dargestellt, sodass ich am Ende, als das Chivvy in vollem Gange war, mit beiden mitgefiebert habe und nur noch wollte, dass dieses Ereignis, was mich übrigens ein wenig an die Hungerspiele erinnerte, ein Ende hatte. Selbst wenn ich nicht wollte, dass der erste Band von “Dark Canopy” sein Ende findet.

Die Geschichte von Joy, Neél und Matthial hat eindeutig Suchtpotential und ich hungere bereits jetzt dem schon dem zweiten Band entgegen.


Bewertung:
Wunderbare Charaktere, tolle Idee, grandiose Umsetzung – einfach und absolut lesenwert!


Infos und Titel zum zweiten Band der Dark Canopy-Dilogie habe ich noch nicht finden können, sollte ich aber beim Stöbern etwas entdecken, werde ich euch natürlich sofort darüber informieren.

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