[Review] Carey, Anna - Eve (Eve Trilogy #1)

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2011
Sprache: Englisch
Seiten: 318
Verlag: HarperCollins
ISBN: 978-0-06-204850-9
Preis: 12,95 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren






About the author:

Anna Carey graduated fromNew YorkUniversityand has an MFA in fiction fromBrooklynCollege. She lives inLos Angeles.


Klapptext:

Sixteen years after a deadly virus wiped out most of Earth’s population, the world is a perilous place. Eighteen-year-old Eve has never been beyond the heavily guarded perimeter of her school, where she and two hundred other orphaned girls have been promised a future as the teachers and artists of the New America. But the night before graduation, Eve learns the shocking truth about her school’s real purpose – and the horrifying fate that awaits her.

Fleeing the only home she’s ever known, Eve sets off on a long, treacherous journey, searching for a place she can survive. Along the way she encounters Arden, her former rival from school, and Caleb, a rough, rebellious boy living in the wild. Separated from men her whole life, Eve has been taught to fear them, but Caleb slowly wins her trust… and her heart. He promises to protect her, but when soldiers begin hunting them, Eve must choose between true love and her life.


Meinung:

Vielen wird dieses Buch in der Bloggerwelt bereits häufiger über den Weg gelaufen sein wegen des Hypes, der darum kursierte. Doch bedauerlicherweise ist dieser Hype mehr als fraglich. Denn ich selbst kann nun aus persönlicher Erfahrung sagen, dass ich die Geschichte nicht weiterempfehlen kann.


Neben dem Cover ist der einzig interessante Aspekt der Geschichte die Grundidee: eine durch eine Epidemie nahezu ausgelöschte Population, die um das weitere Überleben kämpft. Für mich ist dies der Grundstein der Handlung. Eve ist nur das Mittel zum Zweck um den Leser in weitere Feinheiten dieser neuen Welt einzuführen, die allerdings eher schlecht als recht ausgearbeitet sind.

Eve wächst seit ihrem fünften Lebensjahr in einer Schule für Waisenkinder, in der nur Mädchen, abgeschottet von der Außenwelt herangezogen werden, auf und hat sich im Laufe der Zeit zur Schulbesten gemausert. Nachdem sich Eve eher wegen der Anschuldigungen Ardens auf macht, um hinter das Geheimnis der vorherigen Absolventinnen der Schule zu kommen, als aus eigenem Interesse und sie so verstört von ihren Erkenntnissen ist, dass sie kaum noch denken kann und mehr mit Glück als Talent den Zwängen, die sie nach ihrem Abschluss erwartet, entfliehen kann, beginnt für sie eine Reise ins Unbekannte. Während ihrer Reise trifft sie zufällig auf Arden, die bereits mehrere Stunden vor ihr die Flucht ergriffen hat, und später auf Caleb, der den beiden Mädchen versichert, ihnen helfen zu wollen und auch den Weg nach Califia, einem Zufluchtsort für Flüchtlinge, zeigen zu wollen. Doch auf ihrer Reise müssen sie sich nicht nur der Gefahr, entdeckt zu werden, stellen, sondern auch ihren eigenen Wünschen, Gefühlen und Hoffnungen. Aber auf ihrer Reise erfahren Eve und ihre Begleiter mehr als ihnen lieb ist und mit jedem Tag, der verstreicht, ist die Gefahr entdeckt zu werden, größer – besonders für Eve, der anscheinend eine ganz besondere Rolle zugedacht worden zu seien scheint.

Normalerweise ist der Plot wirklich interessant: junges Mädchen entdeckt großes böses Geheimnis, will dem entfliehen, flieht und lernt andere kennen, mit denen sie die weitere Reise gemeinsam antritt, bis sie am Ende in eine Sackgasse rennt, ohne zu wissen, wie sie da wieder rauskommen soll und Geheimnisse zur tödlichen Bedrohung werden können. Simpel, aber Potential für Spannung. Wobei hier wirklich der springende Punkt auf Potential liegt und nicht auf Spannung. Denn Spannung findet sich in der gesamten Handlung so gut wie gar nicht und die sprachliche Umsetzung wirkt eher einschläfernd als fesselnd. Auch die Umsetzung der Charaktere, allen voran Eve, war so unglaublich schlecht, dass ich mich fragte, ob es überhaupt einen Menschen auf diesem Planeten gibt, der mit diesen sympathisiert. Na ja, bis auf eine Ausnahme. Arden.

Schon recht frühzeitig musste ich feststellen, dass Eve nicht mein Charakter ist und ich ehrlich gesagt wenig für sie übrig habe. Ständig muss Eve gerettet werden, bringt sich selbst und/oder andere in die ausweglosesten Situationen und ist so unselbstständig, dass wahrscheinlich ein dreijähriges Kind bessere Überlebenschancen in der Wildnis hat als Eve. Immer und überall ist sie auf jemanden angewiesen und glücklicherweise (*mit den Augen roll*) sind auch entweder Caleb oder Arden oder sogar beide zur Stelle, um sie aus dem Schlamassel zu holen. Mal ehrlich, jeder normale Mensch mit einem einigermaßen funktionierenden Selbsterhaltungstrieb, der von sich selbst behauptet, intelligent zu sein (und sogar gedankliche Anmerkungen zum Verhalten diverser Tierarten macht), sollte in der Lage sein, sich von einem Bärenjunges fernhalten, da ja wohl klar ist, dass die Mutter nicht weit weg ist und nicht gerade erfreut darüber ist, dass ein anderes Tier in der Nähe ihres Junges ist. Aber nein, Eve ist so dämlich und nähert sich dem Bärenjunges. Und ehrlich gesagt, ist das die Szene, in der Eve spätestens bei mir unten durch war. Aber ich hatte schon vorher Probleme mit ihr, weil sie sich selbst für ausgesprochen schlau hält (Einbildung ist auch ‘ne Bildung!), sie selbst niemals etwas von sich aus hinterfragt und gewisse Dinge selbst einfach nicht wahrnimmt oder wahrnehmen will, wie z.B. was aus den vorherigen Absolventinnen geworden ist, warum keiner sie nach ihrem Abschluss mehr gesehen hat oder warum über diese nicht mehr erzählt wird bzw. von einigen, falls diese erfolgreiche Künstlerinnen (hahaha!) geworden wären, deren Kunst präsentiert wird. Auch die nicht ganz so logischen Erläuterungen, warum Männer so unglaublich schlecht und böse sind (da fragt man sich eigentlich, ob die Frau was gegen Männer hat… *grübel*), werden nicht hinterfragt, ganz besonders dann nicht, wenn der Oberguru der neuen Gesellschaft ein König ist. Hm. Ein bisschen viel verlangt, den dann nicht für ebenso schlecht und böse zu halten, oder?

Caleb ist zwar nicht ganz so schlimm wie Eve, leidet aber auch eindeutig an einem etwas zu übersteigertem Selbstbewusstsein, aber dafür tut er im Gegenzug nicht intelligent, sondern zeigt, dass er gute Überlebensinstinkte hat und seine Intelligenz zum Überleben nutzt, statt alles in seinem Kopf zu überanalysieren. Dennoch wirkt er klobig, arrogant, rau und unbeholfen zugleich. Ich selbst konnte als Leser auch gar nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet er sich in Eve verlieben sollte. Eine solch unliebenswerte Protagonistin habe ich schon lange nicht mehr erlebt gehabt.

Der einzige sympathische Charakter, der nicht an übersteigertem Selbstbewusstsein oder übermäßig viel Intelligenz leidet, dafür aber einer gesunden Portion Selbsterhaltungstrieb und logischem Denken, ist Arden. Arden hinterfragt alles und jeden; jede Motivation, jeden Zweck. Sie ist der eigentliche Charakter, der hier Hauptcharakter-Potential hat, aber leider links liegen gelassen wird und später verbannt wird. Sehr schade, denn Arden ist der einzige Grund, warum ich den ersten Band dieser angeblich so tollen Reihe überhaupt zu Ende gelesen habe.

Im Groben und Ganzen ist die Charaktergestaltung nicht besser als die sprachliche Umsetzung: unausgereift, lieb- und emotionslos. Denn, obwohl es hier zwischen Eve und Caleb eine Romanze geben sollte, kommt dies überhaupt nicht zur Geltung. Zwar versucht Frau Carey durch kleine symbolische Taten Calebs Emotionen sprießen zu lassen, dies gelingt ihr aber leider überhaupt nicht. Beim Lesen konnte ich zwischen den beiden nicht einmal den Ansatz eines Fünkchens spüren und ich habe mich während der gesamten Zeit des Lesens nicht nur einmal gefragt, ob die Geschichte nicht ohne diese erzwungene Romanze besser dran gewesen wäre. Auch Eve zeigt keinerlei emotionale Regungen, was sie allein schon als Protagonistin sehr unüberzeugend erscheinen lässt. Auch alle I-love-yous dieser Welt könnte Frau Carey sie sagen lassen und es würde an ihrer Emotionslosigkeit immer noch nichts ändern.

Wer also eine spannende Dystopie erwartet mit viel Gefühl und einer tollen Liebesgeschichte, der sei gewarnt, denn diese Sachen, werdet ihr hier leider nicht finden.


Bewertung:

Es gibt bessere Dystopien im Jugendbuchbereich, die ebenfalls gute Ansätze, aber dafür eine wesentlich bessere Umsetzung – sprachlich wie im Charakterdesign – bieten. Leider nicht empfehlenswert.


Infos zur Reihe:
  1. Eve
  2. Once

Kommentare