[Review] Chattam, Maxime - Der Krieg der Kinder (Alterra #3)

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2011
Originaltitel: Autre-Monde. Le cœur de la terre
Sprache: Deutsch
Seiten: 428
Verlag: Pan
ISBN: 978-3-426-28307-3
Preis: 16,99 €
Altersempfehlung: ab 14 Jahren





Über den Autor:

Maxime Chattam wurde 1976 in Montigny-lès-Cormeilles geboren. Er studierte Literaturwissenschaft in Paris, war anschließend als Buchhändler tätig und begann nebenher zu schreiben. Seine Romane stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Mit “Alterra. Die Gemeinschaft der Drei” und “Alterra. Das Reich der Königin” eroberte Maxime Chattam sich auch in Deutschland eine große Fangemeinde.


- Hinweis: Der weitere Beitrag enthält möglicherweise Spoiler, falls/wenn ihr die ersten beiden Bände der Reihe noch nicht gelesen habt! -


Klapptext:

Die Soldaten der grausamen Malronce sind überzeugt, dass der Orkan eine Strafe Gottes für ihre Sünden war. Es gibt nur eine Chance, Erlösung zu finden und das Reich der Königin zu retten: eine Karte, die sich auf dem Körper eines Mädchens befindet. Die Soldaten sind bereit, alles zu tun, um sie in ihren Besitz zu bringen – wirklich alles.

Die Freunde Matt, Tobias und Ambre wissen nicht genau, was die Karte auf Ambres Körper zu bedeuten hat, doch eines ist klar: sie darf auf keinen Fall in die falschen Hände gelangen. Verzweifelt sucht die Gemeinschaft der Drei nach einem sicheren Versteck, um das Geheimnis zu lüften, von dem möglicherweise der Fortbestand allen Lebens auf Erden abhängt. Doch dann wird Tobias von einem unheimlichen Schattenwesen aufgesogen. Ist ihr Freund noch zu retten? Matt und Ambre flüchten sich vor den Soldaten zu den Pans, jenen Kindern, die wie sie gelernt haben, in der neuen Welt zu überleben. Aber das ist nun nicht mehr genug. Gemeinsam entwerfen sie einen mutigen Angriffsplan – und rüsten sich zu einem Krieg, der ein für alle Mal über ihr Schicksal entscheiden wird…


Meinung:

Als ich damals diese Reihe zu lesen begonnen habe, habe ich noch geglaubt, dass es sich “nur” um eine Trilogie handelt. Doch zwischenzeitlich hat sich das ja in Wohlgefallen aufgelöst, denn es hat sich herausgestellt, dass selbst nach Abschluss des dritten Bandes die Reihe um Matt, Tobias und Ambre weitergeht. Eigentlich schade und eigentlich auch nicht. Ehrlich gesagt, hatte ich mich ein wenig auf den Abschluss der Reihe gefreut und darauf, dass diese Reihe einen würdigen Abschluss bekommt.


Einerseits geht die Geschichte der drei Protagonisten, die mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen sind, weiter und andererseits ist ein Geschichtszyklus der Reihe dennoch mit diesem Band abgeschlossen. Wer sich also entschließen sollte, diese Reihe ad acta legen zu wollen, hat hiermit sozusagen auch einen gewissen Abschluss bekommen. Ich selbst bin mir jedoch noch unsicher, ob ich diese Reihe – egal wie sehr sie mir gefallen hat – fortsetzen werde. Ich denke, dass ich das spontan entscheiden werde. ^^

Altersempfehlung
Wie bei den vorherigen Bänden vertrete ich die Auffassung, dass die Reihe erst für eine Altersgruppe ab 14 Jahren geeignet ist wegen der zwischenzeitlich doch sehr gewalttätigen und grausamen Aspekte. Es sterben in diesem Band nicht nur einfach Kinder, sondern sie sterben zeitweise auch einen sehr grausigen und morbiden Tod, den man bei einigen sogar als Märtyrertod bezeichnen könnte.

Cover
Was ich am Pan-Verlag immer sehr gemocht habe, war die Gestaltung der Bücher, denn diese stechen aus der breiten Masse eindeutig hervor. So ganz besonders die Cover der Alterra-Reihe. Jedes Buch war bisher mit einem Cover, was einen schwarzen Hintergrund hatte, mit einem ornamentalen Muster versehen, dass je nach Lichteinfall leuchtet, was wirklich wunderschön anzusehen ist. Viel beeindruckender ist die Kreativität der Gestaltung, denn jedes Symbol, Ornament erzählt einen Teil der Geschichte bzw. lässt sich mit dieser verbinden. Einfach nur wunderschön.

Sprachliche Umsetzung/Die Geschichte
Erzählt wird die Geschichte wieder abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven und dieses Mal beschränkt es sich hier nicht nur auf die drei Pans, die ich seit dem ersten Band auf ihrer Reise begleite. Auch einige Nebencharaktere, die ich im Laufe der Reise kennen gelernt habe, haben die Gelegenheit nachhaltig Eindruck auf einen zu machen. Fließend und auf sehr angenehme Art und Weise erzählt der Autor hier die Geschichte weiter, wobei ich, was die Geschichte selbst anlangt, nicht 100%ig zufrieden bin.

Wie bereits im vorherigen Band, gab es auch einige Aspekte, die mich störten und letzten Endes mein Lesevergnügen geringfügig trübten.

Einerseits waren es die Charaktere selbst, auf die ich aber noch separat zu sprechen kommen werde, und andererseits waren es Aspekte, die die Geschichte selbst betroffen haben, die störend wirkten. Ich mag es in der Regel sehr, wenn man als Leser den jeweiligen Charakteren bei ihren Reisen stets über die Schulter schauen kann und jedes noch so kleine Detail mit ihnen gemeinsam durchlebt, doch hier wurden diese Reisepassagen immer länger, häufiger und langatmiger, was die Geschichte unheimlich zäh in ihrer Umsetzung erscheinen ließ und ich mich so manches Mal fragte, wann die eigentliche Geschichte endlich weitergeht. Um diese Zwischenpassagen etwas spannender zu gestalten, durfte ich mich als Leser natürlich auf die eine oder andere Weise von dem einen oder anderen liebgewonnenen Charakter verabschieden, was mich ehrlich gesagt bei einigen sehr betroffen machte und bei anderen wiederum weniger.

Neben diesen, wie bereits angemerkt, zähen und langatmigen Zwischenpassagen störten mich auch die Auflösungen des Geheimnisses des Torvaderon und von Königin Malronce sowie auch das Ende selbst, was ein wenig kurz, abrupt und erzwungen, und dadurch unüberzeugend, auf mich wirkte. Auch die Auflösung der Geheimnisse der beiden Kontrahenten, die unerbitterlich Jagd auf Matt machten, war mehr schlecht als recht. Seit dem ersten Band hatte ich so eine Ahnung, wer sich hinter welcher Maske verbirgt, nur die Motivation dahinter war mir nicht ganz klar und wird es, so wie hier dargestellt, auch nicht wirklich werden, denn es wurde einfach als Tatsache ohne nähere Erläuterungen gegeben und es herrschte in meinem Kopf nur ein riesiges Fragezeichen. Warum, wieso, weshalb? Und warum ausgerechnet Matt und seine beiden Freunde? Auf diese Fragen gibt es dann eher die weniger zufriedenstellende Antwort: es hätte jeden treffen können, aber es halt aber eben diese drei getroffen – Zufallsprinzip halt. Ein bisschen schade, denn ich hatte mir eine klarere Auflösung dieses Abschnitts gewünscht, der mich nunmehr ein wenig melancholisch zurücklässt. -.-

Die Charaktere (auszugsweise)

Matt
Ihn kennt man als Leser bereits seit dem ersten Band; gemeinsam mit ihm hat man den großen Sturm, der die Welt verändert hat, erlebt, seine Reise zur Carlmichael-Insel, auf der er Ambre kennen gelernt hat und seine weiteren Reisen und Erfahrungen durch das Reich der Königin bis hin zu anderen Pan-Gemeinschaften, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während man in den ersten beiden Bänden noch erleben konnte, dass Matt mit der Zeit ein wenig selbstständiger, selbstbewusster und nachdenklicher wurde, entwickelte er sich im dritten Band meiner Ansicht nach so gut wie gar nicht. Man erlebt ihn von seiner loyalen, aber weniger überlegenen Art. Er handelt, entgegen besseren Wissens, unüberlegt und bringt damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Freunde in Gefahr, was ihn mir zwar nicht unsympathisch machte, aber auch nicht unbedingt sympathischer.

Tobias
Toby ist der beste Freund von Matt. Gemeinsam haben die beiden bereits vor dem Sturm New York unsicher gemacht und danach gemeinsam ihre Reise, immer den Torvaderon im Nacken, begonnen. Er ist ein treuer Freund, der Matt und Ambre stets zur Seite steht und alles tut um die beiden zu beschützen, selbst wenn es ihn selbst in Gefahr bringt. Ihn lernte ich in diesem Band von einer stärkeren und selbstbewussteren Art kennen, was ihn mir unglaublich sympathisch machte. Trotz dessen, dass er sich im Feind befindet, gibt er nicht auf, er sucht nach einer Lösung und rettet damit nicht nur sich selbst, sondern auch einige andere Charaktere, die man im Verlauf der Geschichte kennen lernte. Selbst als er hinter das Geheimnis des Torvaderon kommt, steht er seinem Freund mit seiner Freundschaft und Loyalität zur Seite und unterstützt diesen nicht nur im Kampf gegen diesen, sondern auch gegen die Zyniks.

Ambre
Seit dem ersten Band empfinde ich Ambre als einen eher undurchsichtigen Charakter, der sehr schwer einzuschätzen ist – gerade auch was ihre Emotionen angeht. Sie ist unheimlich intelligent und diejenige, die sich als Erste mit den Alterationen der Pans beschäftigt hat. In diesem Teil der Geschichte nimmt sie einen etwas aktiveren Part ein und wird gerade für Matt eine große Unterstützung bis zu dem Moment, in dem Ambre erkennt, dass sie selbst auch eine Aufgabe hat, die sie erfüllen muss, egal wie schwer und gefährlich diese auch sein mag. Ambre ist diejenige, die sich in diesem Band am meisten entwickelt; sie wird offener, selbstständiger und bringt sich mehr in die einzelnen Gemeinschaften ein. Nebenher beginnt sie auf ihre Weise für ihre Freunde und die Pans zu kämpfen. Auch emotional entwickelt sich Ambre, sie beginnt durch ihre neue Offenheit auch ihre Gefühle zu entdecken, ganz besonders einem Charakter gegenüber, was seit dem ersten Band bereits abzusehen war.  

Plusch
Ein Riesenhund, den ich einfach zu gerne für mich selbst hätte. Ehrlich, ich liebe sie. Auch wenn Plusch ein Hund ist, ist sie mir doch der liebste Charakter von allen. Sie ist treu, beschützerisch und unglaublich intelligent. Sie beschützt, begleitet und unterstützt Matt seit dem Start seiner Reise und ist aus der Geschichte einfach nicht mehr herauszudenken. Eine Szene, sie betreffend, hat mich so sehr zu Tränen gerührt, dass ich wirklich kurz davor stand, in Tränen auszubrechen, weil es einfach so traurig war. Allein bei dem Gedanken daran werd ich ganz traurig. *schnief*

Ben
Ein Weitwanderer, den man bereits aus dem ersten Band kennt und der auch hier wieder eine tragende bis tragische Rolle einnimmt. Ich weiß nicht warum, aber Ben mochte ich schon im ersten Band nicht sonderlich. Er hatte so ein einnehmendes Wesen, was ihn mir unsympathisch erschienen ließ. In diesem Band stellt sich heraus, dass meine Antisympathie ihm gegenüber nicht gänzlich unbegründet ist.

Neil
Ein neuer Charakter, der in Eden eine wichtige Rolle spielt und sich entschließt, Matt und seine Freunde auf ihrer Reise nach Wyrd’ Lon Deis zu begleiten. Er ist ihnen eine große Hilfe und mit seiner Alteration eine wahre Stütze. Auch wenn er mir nicht der sympathischste unter all den neuen und bekannten Charakteren ist, so habe ich mir für ihn etwas anderes gewünscht, als er letzten Endes bekam.

Horace
Auch er ist ein neuer Charakter, aber einer der wenigen der mir von Anfang an sympathisch war. Horace ist für einen Pan recht verbittet und zynisch, aber auf seine Art beweist er Loyalität und Freundschaft. Seine Alteration ist auch der Gemeinschaft der Pans im letzten Gefecht gegen Königin Malronce eine unglaublich große Unterstützung, auch wenn man eindeutig mehr aus ihm hätte machen können und dem Nutzen seiner Alteration, denn entgegen seiner eigenen Auffassung ist diese wirklich nützlich.

Torvaderon
Ein Wesen, dessen Ursprung und Zweck seit dem ersten Band ein Geheimnis ist und dessen Motivation, warum er Matt jagt ebenso geheimnisumwittert ist. Wen der Torvaderon darstellt, vermutete ich bereits im ersten Band, bekam aber im zweiten keine näheren Hinweise. In Band drei wurde endlich meine Vermutung bestätigt und eine vage Andeutung für die Jagd querfeldein wurde zwar gegeben, aber nicht wirklich fragefrei geklärt, ebenso der Sinn und Zweck dieser Kreatur.

Königin Malronce
Auch ihre wahre Identität habe ich bereits in Band zwei erstmals vermutet und siehe da, auch hier ein richtiger Treffer, was ähnlich wie beim Torvaderon nicht sehr schwierig war. Malronce ist die böse Königin die alle Pans von Antlitz der Erde tilgen will, weil sie diese als Sünde ansieht, wofür Gott die Welt mit dem großen Sturm bestraft hat. Und um Buße zu leisten, stehen sozusagen alle Pans auf ihrer Fahndungsliste, allen voran Matt – warum erschließt sich mir trotz ihrer wahren Identität nicht 100%ig – und Ambre, die ja die Karte, die zum steinernen Testament passt, auf der Haut trägt und ein Geheimnis birgt.

Dennoch ist, trotz diverser Charakter- wie auch Umsetzungsschwächen, dieser Zyklusabschlussband in der Alterra-Reihe lesenwert, relativ spannend und recht gut gelungen. Aber im Vergleich zu den ersten beiden Bänden meines Empfindens nach ein wenig schwächer, was ich sehr bedaure.


Bewertung:

“Alterra: Krieg der Kinder” – ein Abschluss des ersten Zyklus der Alterra-Reihe, der zwar relativ zufriedenstellend ist, aber längst nicht alle Fragen, insbesondere die, die ins Detail gehen, beantwortet.


Infos zur Reihe:
  1. Die Gemeinschaft der Drei
  2. Das Königreich der Königin
  3. Der Krieg der Kinder
  4. Der Herr der Nebel (erscheint im November 2012 bei Droemer Knaur – Taschenbuchverlag)

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