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[Review] Schacht, Andrea - Bis ans Ende der Welt (Kyria & Reb #1)

Gebundene Ausgabe (mit Schutzumschlag)
Erschienen: 2012
Sprache: Deutsch
Seiten: 381
Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3-86396-016-2
Preis: 17,99 €
Altersempfehlung: ab 12 Jahren


Über die Autorin:

Andrea Schacht hat lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin gearbeitet, bis sie sich entschloss, ihre wahre Leidenschaft, das Schreiben, zu ihrem Beruf zu machen. Vor allem mit ihren historischen Romanen um die Kölner Begine Almut Bossart erlangte sie große Bekanntheit. Ihre Bücher stehen regelmäßig auf den Bestellerlisten.


Klapptext:

Im Jahr 2125 hat sich Europa in eine Welt der kompletten Überwachung verwandelt. In diesem perfekt gesteuerten System – New Europe – wächst Kyria behütet auf. Bis sie an ihrem 17. Geburtstag erfährt, dass sie an einer tödlichen Krankheit leidet. Jetzt zählt nur noch ein Gedanke: Flucht. In der wenigen Zeit, die ihr bleibt, will sie endlich frei sein! An einem Ort, der dem Zugriff des Systems entzogen ist.

Mit ihr auf den Weg macht sich Reb, der vor nichts und niemandem Angst hat. Doch schon bald sind den beiden die Verfolger auf der Spur. Und das ist nicht die einzige Gefahr: Alle, die sich der Macht von New Europe entziehen, drohen furchtbaren Seuchen zum Opfer zu fallen…


Meinung:

Mit dem Auftakt der Reihe um Kyria und Reb habe ich gleich zwei Premieren erlebt. Zum einen handelt es sich hierbei um meine erste Leseerfahrung mit einem Buch aus der Feder von Frau Schacht und zum anderen handelt es sich hierbei um meine erste deutsche Dystopie. Bisher sind deutsche Dystopien noch recht rar gesät, aber ich muss ehrlich sagen, dass mir die Geschichte von Kyria und Reb gut gefallen hat und ich sicherlich auch noch den Folgeband hierzu lesen werde, weil mich einfach interessiert, wie es mit den beiden weitergeht. Ebenfalls interessiert mich auch, wer hinter allem steckt, was vor sich geht und aus welchen Beweggründen. Hierzu habe ich aber bereits ein paar Vermutungen, denen bisher aber nicht im Geringsten Nahrung gegeben wurde – jedenfalls nicht direkt.


Bevor ich anfange, näher auf die Geschichte einzugehen, möchte noch kurz loswerden, dass ich anfangs überhaupt keine Erwartungshaltung an die Geschichte hatte. Das Cover, was aufgrund seiner Farbgestaltung schnell zum Träumen einlädt, lässt eher weniger vermuten, welch interessante Story sich zwischen den Seiten verbirgt – ebenso der Titel. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Buch auf den ersten Blick eher für eine ganz normale Liebesgeschichte zwischen zwei Jugendlichen gehalten hätte, wäre da nicht der Klapptext gewesen, der mich ungemein neugierig gemacht hat.

Wenn ich sagen würde, dass ich mich mit der sprachlichen Umsetzung schnell anfreundete und in der Geschichte von Kyria, aus deren Perspektive die Handlung in der Ich-Erzählung geschildert wird, versank, würde ich lügen. Ich hatte anfänglich ungemein Probleme mich mit dem Erzählstil der Autorin anzufreunden, was letztendlich nicht nur an ihrer Wortwahl, sondern auch an den Satzbauten selbst lag. Natürlich hat jede/r Autor/in seinen/ihren eigenen Stil und jeder Leser muss für sich selbst entscheiden, ob er sich damit weitergehend auseinandersetzen möchte oder nicht – glücklicherweise habe ich mich aber zum Weiterlesen entschieden. Denn nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten, mich mit dem Erzählstil auseinander zu setzen, habe ich mich irgendwie in die Geschichte gestohlen und mich auch recht wohl in ihr gefühlt, auch wenn es immer noch kleine Details gibt, die mich zum Nachdenken anregen und mich fragen lassen, ob ich auf meine Fragen, die in meinem Kopf hin- und hertigern, auch in den Nachfolgebänden Antworten kriegen werde. Unterbrochen wurde hin und wieder mein Lesevergnügen durch diverse Tipp-/Druckfehler und grammatikalische Seltsamheiten, die mir ein Stirnrunzeln ins Gesicht gezaubert hatten und mich nicht nur einmal fragen ließen, ob Bücher von deutschen Autoren überhaupt noch einmal ins Korrektorat gelangen oder nicht. Die Häufigkeit an Tipp-/Druckfehlern (echt, ich weiß nicht wer die zu verbuchen hat) war jedoch schon eine winzig kleine Hausnummer, die ich allerdings noch ohne großes Murren und Zetern hinnehmen kann. Wer allerdings in dem Bereich noch empfindlicher ist als ich (soll schließlich vorkommen *hust*), na ja, der entscheide lieber selbst.

Neben meiner kriegerischen Auseinandersetzung mit der sprachlichen Umsetzung kämpfte ich auch noch mit der Umsetzung, mit der ich persönlich aufgrund ihrer Zähigkeit, Spannungslosigkeit und auch mangelnden Emotionen sowie Romantik leicht meine Schwierigkeiten hatte.

Die Idee von einer von Frauen regierten Welt nach einer Epidemie, die nicht nur ziemlich viele Menschenleben gekostet hat, sondern auch noch künstlich hervorgebracht worden zu seien scheint, ist wirklich interessant und bietet auch ein spannendes Konzept. Allerdings bleiben bereits jetzt schon viele Fragen offen, jedenfalls für mich. Dass die Frauen das Zepter ergriffen hatten, nachdem die Welt von einer Epidemie heimgesucht wurde und sich engagiert am Wiederaufbau beteiligten, ist eines der Grundsteine der Geschichte. Die Frauen regieren diese neue Welt und haben sogar ihre eigene Religion, nach der das neue Weltbild ausgerichtet ist, geschaffen. In dieser neuen Welt gibt es ein weibliches religiöses Vorbild in Form einer Hohepriesterin (betet übrigens die Heilige Mutter und nicht den Heiligen Vater an), die in der Gesellschaft von Kyria einen hohen Status innehat. Neben diesem halb religiösen, halb politischen Amt der Hohepriesterin gibt es natürlich auch weibliche Politikerinnen, die ein wichtiges Amt innehaben, wie Kyrias Mutter. Männer haben in der neuen Welt nach dem neuen Weltbild der Frauen keinen Status inne, bekleiden keine wichtigen Ämter, sondern sind nur für die Fortpflanzung da und müssen sich gemäß einem Protokoll als passendes Wahl-Brutwerkzeug für eine der Damen zur Verfügung halten. Das Prinzip dieser Gesellschaft ist kalt, machtgierig und emotionslos. Da hat meiner Ansicht nach selbst der Gedanke an künstliche Befruchtung mehr Emotionsgehalt. Während dies sozusagen der grobe Grundstein der Geschichte ist, bleibt dahingehend in den Feinheiten noch einiges an Fragen offen. Wie setzt sich das Regierungssystem zusammen? Zwar gibt es neben das als New Europe bekannte Land noch diverse kleine Reservat, in denen sich Menschen zurückgezogen haben, die mit dem neuen Weltbild, der neuen Ordnung und vor allem mit der ständigen Überwachung nicht in Verbindung stehen wollen. Dennoch bleibt die Frage, ob sich dieses System nur auf New Europe (also Europa) erstreckt oder ob dieses Prinzip auch in anderen Ländern (Asien, Amerika usw.) praktiziert wird? Auch frage ich mich immer noch, wie das neue Regierungsregime an sich offiziell funktionieren soll. Gibt es eine Demokratie oder eine Diktatur? Wie setzt sich die Regierung allgemein zusammen? Ein anderer Aspekt in der Geschichte, der angesprochen wird, ist die Klassifizierung. Kyria gehört als Tochter einer hoch angesehenen Politikerin zur Elite und ihr steht sozusagen jede bestmögliche Behandlung – medizinisch, schulisch usw. – zur Verfügung. Daneben gibt es die Civitas, die anscheinend so etwas wie die Mittelschicht darstellen, und die Ausgestoßenen, diejenigen, die sich komplett dem neuen System und der Überwachung/Kontrolle verweigern und damit die unterste Schichte im Klassifizierungssystem bilden und somit auch keine Rechte haben. Zur untersten Schicht gehört Reb und bildet somit in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil zu Kyria. An sich ist die Idee wirklich gut, spannend und auch gut in Szene gesetzt, leider fehlt es der gesamten Szenerie zeitweise an Spannung und Lebendigkeit.

Während ich als Leser die Flucht Kyria und Reb aus der Hauptstadt von New Europe (ehemaliges Frankfurt a.M. *räusper*) noch als spannend empfand und auch die ersten neuen Begegnungen und Entdeckungen, die Kyria mit Reb erlebte, mit Interesse verfolgte, verflog Interesse und Spannung mit der Zeit immer mehr. Die Geschichte wurde gleichbleibend und ging immer ereignisloser vonstatten. Die Reise der beiden verlief ohne Zwischenfälle, die die Geschichte hätte aufpeppen können. Nur die “Flucht” von ihrer Reisegruppe, damit die beiden ins nächstgelegene Reservat nach ihrer Auftragserfüllung fliehen können, war einigermaßen amüsant und rüttelte mich aus dem sich mittlerweile festgefahrenen monotonen Erzählfluss. Während ihrer gemeinsamen Reisezeit entwickelte sich zwischen den beiden zwar eine gewisse Kameradschaft, und dieses Gefühl ist eindeutig eine neue und aufregende Erfahrung für Kyria gewesen, dennoch blieb das erwartete Knistern zwischen beiden aus. Aus Kameradschaft war zwar ein vertrautes Freundschaftsband entstanden, von Liebe bzw. Verliebtsein war jedoch nichts zu spüren gewesen. Zwar hatte ich verzweifelt auf solche Momente gehofft, wurde damit aber leider nicht belohnt. Einziger positiver Aspekt daran war, dass die beiden nicht vor Liebe blind von einer Katastrophe in die nächste gelaufen sind und sich bei jeder Gelegenheit ewige Liebe geschworen haben. Ein Aspekt, der mich leider an vielen Jugendbüchern mittlerweile sehr stört und seinen gewissen Zauber bis bitter End ausgereizt hat.

Nicht nur, dass die Geschichte ein wenig an Romantik und Emotionen im Allgemeinen mangelt, auch deren Charakteren mangelt es zeitweise an Lebendigkeit. Kyria ist zwar eine junge, aufschlussreiche und interessierte Protagonistin, leider ist sie nicht die sympathischste. Regelmäßig ging sie mir mit ihrer leichten bis nervigen Art, die sich ein wenig in Weltfremdheit, Arroganz, Unselbstständigkeit und Zickigkeit widerspiegelte, auf den Keks und ich hätte sie manchmal gern aus der Geschichte geworfen, was ja leider schlecht geht, da sie Protagonistin ist. Zum Ende hin entwickelte sich jedoch Kyria in eine loyale Freundin und weniger nervige Protagonistin, denn zwischenzeitlich hat sie ein wenig an Selbstständigkeit gewonnen und von ihrer Arroganz und Zickigkeit einen Teil eingebüßt, da sie sich und ihre Umwelt neu bzw. besser kennen gelernt hat. Hierbei wurde sie von ihrer Freundin Hazel und deren Familie unterstützt und liebevoll in deren Heim aufgenommen. Reb hingegen steht Kyria in Arroganz so gut wie nichts nach, ist aber welterfahrener und wesentlich selbstständiger. Nachdem ich Reb aber eine Weile kennen gelernt hatte, bröckelte seine Fassade und ich bekam als Leser den Eindruck, dass er seine Unsicherheiten unter einer Mauer aus Arroganz und übersteigertem Selbstbewusstsein zu begraben versuchte, denn als ich ihn und seine Vergangenheit näher kennen lernte, gewann er an Sympathie, aber leider nicht an Tiefe, zu gewinnen. Beide Protagonisten schwächelten ein wenig in ihrer Darstellung und wirkten zeitweise zu gewollt. Bei Kyria begleitete mich nämlich eine ganze Weile das Gefühl, dass ich einer Marionette bei ihrem Schauspiel zusehe, bei der der Marionettenspieler selbst noch nicht weiß, wie Handlung und Charakter sich weiterentwickeln sollen. Gern hätte ich mehr über Kyria selbst kennen gelernt und über ihre Familie. Man hört zwar immer von ihrer Mutter, aber lernt sie nicht wirklich kennen, da kein sehr enges Band zwischen den beiden zu bestehen scheint und Kyria sich auch nie wirklich für diese zu interessieren scheint. Dass sie zwar immer alles von ihrer Mutter annimmt bzw. in gewissen Maßen hinnimmt, aber nie etwas hinterfragt bzw. auf ihre vorherige Umwelt zugeht, ist einer der Punkte – auch wenn sie als intelligent erscheint – der mich wirklich stört an Kyria. Mit Zickigkeit und Unerfahrenheit kann ich leben, aber nicht damit, dass man einfach alles über sich ergehen lässt und nicht einmal den Menschen nahe ist, die einem nahe stehen sollten. Dadurch, dass man als Leser nichts bzw. sehr wenig über Kyrias Mutter erfährt, erfährt man auch zum Teil Hintergründiges nur sehr unzureichend. Ich hoffe sehr, dass dieser Part im zweiten Band etwas weitreichender (und auch zufriedenstellender) ausgebaut wird. Es wäre sehr schade, wenn so viel Potential, wie in der Geschichte steckt, einfach ungenutzt gelassen werden würde.

Neben Kyria und Reb lernte ich als Leser auch eine Menge liebenswerter und interessanter Charaktere kennen, die ich als Leser hoffentlich auch im Folgeband wiedersehen werde. Allen voran Hazel, die mir als Freundin von Kyria sehr ans Herz gewachsen ist, und auch Mars, Rebs Vater, der sicherlich in der zukünftigen Geschichte neben Kyria und deren Mutter noch (indirekt) eine Art Schlüsselfigur darstellen wird.

Und auch, wenn ich hier – selbst für meine Ohren – ziemlich kritisch klinge, habe ich den ersten Band der Kyria & Reb-Reihe gemocht und werde die Geschichte auch weiterverfolgen, jedoch hoffe ich, dass sich die Story und Charaktere noch weiterentwickeln werden und das Ausmaß, was sich hier an Intrige abzeichnet, weiter ausgebaut wird. Denn Potential für mehr hat die Geschichte allemal.  


Bewertung:

Ein ausbaufähiger Auftakt einer neuen deutschen dystopischen Reihe, der ein Versprechen auf mehr gibt und viel ungenutztes Potential bietet, das hoffentlich in den Nachfolgebänden genutzt wird, in Erwartung auf einen spannungsreichen mit Intrigen gefüllten zweiten Band, der mein Leserherz vor Freude hüpfen lässt. ^^

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