[Review] Shirvington, Jessica – Erwacht (Violet Eden Chapter #1)


Über die Autorin:
Jessica Shirvington hat eine Kaffeeimportfirma gegründet und geleitet und nebenbei zu schreiben begonnen. „Erwacht“ ist ihr erster Roman und der Beginn einer Reihe. Jessica Shirvington lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Sydney. Neben ihrer Familie widmet sie sich nun ganz dem Schreiben. 

Beschreibung:
An Violet Edens 17. Geburtstag gerät ihre Welt aus den Fugen. Sie erhält einen Brief ihrer verstorbenen Mutter und erfährt: Sie ist eine Grigori, ein Wächter-Engel – genau wie der unglaublich attraktive, nur leider so unnahbare Lincoln, für den sie schwärmt. Mit siebzehn erwachen ihre Fähigkeiten und rufen gefährliche Gegner auf den Plan. Nun muss sie sich entscheiden, ob sie ihre Gabe annimmt in einer Welt, in der Engel des Lichts und Engel der Finsternis einen schrecklichen Kampf führen… 

Meine Gedanken:
Wir alle haben unsere Gewohnheiten, wenn es um unsere Lektüren geht. Meine war es in den letzten Jahren, immer mehr von der deutschsprachigen Literatur abzuschweifen und mehr und mehr zu englischsprachiger Literatur zu greifen. Doch seit kurzem scheint sich das Blatt wieder zu wenden. Mit einigen wirklich gut geschriebenen bzw. übersetzten Büchern macht das Lesen in der eigenen Sprache wesentlich mehr Spaß. 

Wie komme ich darauf? Natürlich einerseits durch "Zeitsprung ins Jetzt", was ich kürzlich erst gelesen habe, und andererseits auch durch "Erwacht". Hier hat mich die Geschichte gefesselt und das lag nicht nur an der Story. Aufgrund einiger schlechter übersetzungstechnischer Arbeiten, durch die ich mich gequält habe, nehme ich mir jetzt hier die Freiheit zu sagen, dass die Übersetzerin Sonja Häußler wirklich gute Arbeit geleistet hat. Selbstverständlich liegt das bis zu einem gewissen Grad auch an der Vorlage, die die Autorin mit der Geschichte um Violet, Lincoln und Phoenix bot, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Die Geschichte hat sich so schön flüssig lesen lassen in der Übersetzung, dass man hier den sprichwörtlichen roten Faden noch sehen konnte. Und das ist nicht immer der Fall. Deswegen sollte man als Leser ruhig auch einmal zu schätzen wissen, was gute Übersetzer für gute Arbeit leisten. ;) 

Aber nun zum Buch direkt. 

Die Thematik um Engel des Lichts, Engel der Finsternis, Grigori & Co. ist nicht neu. Das gab es schon in vielerlei Hinsicht. Und auch in "Erwacht" wird diese Thematik aufgearbeitet. Nicht so religiös und intensiv wie ich es schon in anderen tollen Geschichten fand, aber auf eine ganz eigene Art und Weise interessant und spannend. Einen Teil davon tragen die Charaktere dazu bei. Ein anderer wird durch die Geschichte selbst dazu beigetragen. 

Wenn man es jedoch auf die Grundthematik zurückstutzt, findet sich hier der alte und wohlgekannte Stoff des Kampfes Gut gegen Böse, Licht gegen Schatten. Doch so einfach lassen sich Gut und Böse nicht auseinanderhalten. Es wird in "Grauzonen" abgestuft, was ich persönlich mochte. Denn auch wer böse ist, kann Gutes tun und umgekehrt. Oder anders ausgedrückt: Die Welt lässt sich nicht nur in schwarz und weiß unterteilen, sondern in vielen verschiedenen Farben und Schattierungen. 

Diese Ansicht wird nicht nur durch die verschiedenen Parteien wiedergespiegelt, sondern spiegelt sich auch schon in Violet wieder. Violet ist eine Künstlerin. Ihr Traum ist es, eine Kunstakademie zu besuchen und ihrem Traum vom Malen genug Raum zu geben. Sie hat auch in der Wohnung ihres Vaters ihr eigenes Atelier. Ihre Mutter starb kurz nach ihrer Geburt, sodass sie keinen Bezug zu dieser hat; ihr Vater verkriecht sich in seiner Arbeit als Architekt, weswegen sie lange Zeit nur ihre Malerei hatte, besonders nach einem traumatischen Ereignis, das sie zum Schulwechsel bewegte. Mittlerweile hat sie in ihrem Leben ihre beste Freundin Steph und ihren besten Freund Lincoln, in den sie aber heimlich verliebt ist. Als dann das Chaos an ihrem 17. Geburtstag losbricht, klammert sich Violet regelrecht an das ihr bekannte Leben. Verständlich. Wer will sich schon Dingen stellen, von denen er/sie nicht einmal wusste? Ein ganz normaler Überlebensinstinkt und vollkommen nachvollziehbar, was mir Violet als Charakter noch sympathischer machte. Auch, dass sie sich nach ihrem traumatischen Erlebnis nicht hat unterkriegen lassen, sondern weiter aufrecht ging und sich schwor, so etwas niemals wieder passieren zulassen, zeigten eine innere Stärke, die man sich nur wünscht, wenn man einmal etwas Ähnliches erlebt hat. Im Kontrast dazu steht allerdings ihre absolute Blindheit und Naivität. An einigen Punkten fand ich diese dann wieder zu stark ausgeprägt, als dass sie vollends stimmig gewesen wären mit dem sonstigen Figurenkonzept. Ein bisschen mehr Skepsis hätte ich mir ihrerseits an der einen oder anderen Stelle schon gewünscht. 

Die Nebencharaktere waren zeitweise ein bisschen merkwürdig. Lincoln war sehr sympathisch. Ich konnte gut nachempfinden, warum er sich dazu entschlossen hatte, Violet ihre wahre Natur zu verschweigen. Und auch das Knistern zwischen ihm und Violet ist definitiv zu spüren. Griffin ist noch ein kleines Mysterium, aber irgendwie auch ein recht lebendiger und sympathischer Charakter. Mit Steph hatte ich da schon eher meine Probleme. Sie war mir persönlich zu materiell bezogen und darunter, fand ich, litt ein wenig die Freundschaftsbeziehung, selbst wenn in "Notsituationen" Violet eher davon profitierte. Phoenix war als Charakter mit Ambitionen zu leicht zu durchschauen. Es war von vornherein klar, dass er irgendetwas plant und seine Manipulationen weitreichender sind als es zunächst den Anschein hatte. Aber ich hätte nie gedacht, dass Violet so blauäugig ist und ihm ihr volles Vertrauen schenkt. Aber gut, wir haben alle unsere Fehler gemacht in unserer Jugend, die wir heute nicht mehr machen würden. 

Die Beziehungen der einzelnen Charaktere untereinander wurden gut dargestellt; die Sympathien und Antisympathien waren nachvollziehbar. Der Bruch zwischen Violet und ihrem Grigori-Partner schien unausweichlich, gleichzeitig aber auch so fehl am Platz. Diese widerstreitenden Gefühle, die während des Lesens auftraten, fesselten mich förmlich an die Story, weil ich wissen wollte, ob sie den Bruch überwinden können oder nicht. Andererseits hätte ich auch nicht gedacht, dass sich der Rest des Buches so ziehen könnte. Nachdem Vi ihre Zusage gemacht hatte, wäre das für mich eigentlich ein guter Ansatz gewesen, um Band 1 zu beenden, denn bis dahin zog sich die Frage fast zu ¾ durch das gesamte Buch, ob sie diese denn macht oder nicht. Der Rest danach wirkte eher ein bisschen erzwungen, um einen Ansatz für eine Fortsetzung zu schaffen. Leider wurde dadurch auch viel Spannungspotential im Vornhinein verbraten, was sicherlich in Band 2 hätte noch genutzt werden können. Aber gut, das war nicht der Fall und dennoch hat mir das Buch sehr gefallen. 

Die Handlung, die Charaktere und die mystischen Aspekte wurden hier so gut in Einklang gebracht, dass ich jetzt schon die restlichen vier Bände (ja, es ist nicht bei einer Trilogie geblieben – wie so oft, wenn sich etwas verkauft!) auf meine Wunschliste gesetzt habe. Und irgendwann werde ich sie auch lesen – wenn mein Stapel ungelesener Bücher irgendwann einmal so weit gesunken ist, dass ich mir neue Lektüre ohne Gewissensbisse leisten kann. ;)

Kommentare

  1. Hört sich wirklich gut an. Aber ich möchte erst einmal meinen SUB abarbeiten und einige Reihen beenden bevor ich irgendetwas neues anfange.
    LG
    Sunny

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