05.11.2016

[Review] Kane, Stacia – Unholy Ghosts (Downside Ghosts #1)




About the author:
Stacia Kane has been a phone psychic, a customer service representative, a bartender, and a movie theatre usher, and she thinks that writing is more fun than all of them combined. She wears a lot of black, still makes great cocktails, likes to play music loud in the car, and thinks Die Hard is one of the greatest movies ever made. She believes in dragons and the divine right of kings, and is a fervent Ricardian. She lives outside Atlanta with her husband and their two little girls. 

Description:
THE DEPARTED HAVE ARRIVED.

The world is not the way it was. The dead have risen, and the living are under attack. The powerful Church of Real Truth, in charge since the government fell, has sworn to reimburse citizens being harassed by the deceased. Enter Chess Putnam, a fully tattooed witch and freewheeling ghost hunter. She’s got a real talent for banishing the wicked dead. But Chess is keeping a dark secret: She owes a lot of money to a murderous drug lord named Bump, who wants immediate payback in form of a dangerous job that involves black magic, human sacrifice, a nefarious demonic creature, and enough wicked energy to wipe out a city of souls. Toss in lust for a rival gang leader and a dangerous attraction to Bump’s ruthless enforcer, and Chess begins to wonder if the rush is really worth it. Hell, yeah. 

My Thoughts:
Mit einem Buch ist es manchmal wie mit einem Gemälde: Man betrachtet es von vielen Blickwickeln und wird doch nicht schlau draus. Man braucht viel Zeit, um sich Gedanken zu machen, wie man es überhaupt findet und wie es auf einen wirkt, welche Aspekte man an der Komposition mag und welche nicht. Und warum. 

Bei „Unholy Ghosts“, dem ersten Band der Downside Ghosts Serie, von Stacia Kane ging es mir ähnlich. Die Grundidee von einer Antiheldin als Protagonistin fand ich sehr interessant. Doch was war mit dem Rest? War er stimmig in Betrachtung der Gesamtkomposition? Ehrlich gesagt, habe ich mir wirklich sehr viel und intensiv Gedanken gemacht, da ich hier die Arbeit der Autorin nicht diskreditieren möchte. Aber ich kann auch nicht sagen, dass für meine Begriffe die Geschichte, die Charaktere, das Worldbuilding als auch die Erzählart an sich stimmig und harmonisch wirkten. Denn das war gerade nicht der Fall. 

In erster Linie hatte ich wirklich mit der hier kreierten Welt ein simples Problem: sie war mir zu widersprüchlich. Es war auf eine makabere, einem Verkehrsunfall gleichende Art und Weise interessant – so interessant, dass man einfach nicht weggucken konnte, aber sie war nicht stimmig, hatte zu viele Ecken und Kanten, die nicht übereingestimmt haben und daraus eher ein widersprüchliches und absurdes Konstrukt gemacht haben als eine runde und in sich passend wirkende Welt. Mein Hauptproblem war, dass es für mich viel zu widersprüchlich war, dass diese neue postapokalyptische Welt von einer Kirche, die eher einer Sekte gleicht, „regiert“ wird, aber im Widerspruch dazu alle Zeichen von Religion verboten sind. Ein Konstrukt, das seit tausenden von Jahren existiert hat, wirkt in gewisser Weise als Vorbild für diese Kirche? Und Religionen sind verboten, weil sie keine Lehre von Geistern und Magie enthalten? Ein bisschen unglaubwürdig, dass das so einfach funktionieren soll. Ein anderer Aspekt, der mir ebenfalls aufgestoßen ist, ist, dass die Kleidungsart dieser neuen Kirchenleute so sehr der Beschreibung vom Kleidungsstil der Puritaner gleicht, die ebenfalls einfach nur eine religiöse Gemeinschaft darstellt, in deren Führungsriegen nur Männer das Sagen haben. Und zack, da kommen wir schon wieder zum nächsten Punkt. Nicht nur wie es bei den uns bekannten religiösen Institutionen der Fall ist, sondern auch in anderen Bereichen, findet sich auch hier das Konzept einer von Männern korrumpierten Welt wieder. Warum eine Kirche zum Heiland machen, wenn alle Religionen abgeschafft sind? Ein widersprüchliches Konzept, das zum Nachdenken anregt, dem ich aber persönlich nicht viel abgewinnen kann. 

Nach dem Weltenaufbau störte mich am meisten die sprachliche Gestaltung der Geschichte. Mir ist klar, dass jede Autorin und jeder Autor ihren/seinen eigenen Stil hat und man als Leser entweder damit klarkommt oder nicht. Zu einem großen Teil kam ich mit dem Stil klar, es gab aber auch hier wieder diese absolute Widersprüchlichkeit: der Slang von Terrible und Bump. Ganz ehrlich, Terrible und Bump werden hier als belesene und intelligente Männer beschrieben, warum müssen die beiden sich denn in einer so degenerativen Sprache äußern? Warum müssen Dialoge mit den beiden so unverständlich sein, dass man da noch zwei oder drei Mal nachlesen muss, um zu verstehen, was in dem Gespräch eigentlich gerade wirklich Sache ist oder wo diese beiden wieder einen nicht nachvollziehen Themenwechsel eingeschlagen haben? Ich habe keine Ahnung. Ich persönlich mag ja sonst gerne Akzente oder verschiedene Dialekte in einer Geschichte lesen, aber nicht so ein Kauderwelsch wie es hier der Fall war. Das hat mich so manches Mal echt dazu bewegt, das Buch gegen eine Wand werfen zu wollen. 

Und kaum zu glauben, aber mein nächstes Problem mit der Geschichte handelt davon, was sie vermittelt: Nämlich, dass es okay ist Drogen zu nehmen. Chess als Antiheldin ist ja schön und gut. Sie hat ihre Probleme und vergräbt sie, indem sie sich mit Drogen zu pumpt. Und nein, das ist keine Problemlösung, sondern ein Problem an sich. Ich finde es nicht toll, dass hier ein Bild von einer beruflich „relativ erfolgreichen“ Protagonistin geschaffen wurde, die ihr Leben nur mit dem Missbrauch von Drogen auf die Reihe bekommt. Mir ist durchaus bewusst, dass das ein Teil ihrer Charakterisierung ist, aber ich finde dieses vermittelte Bild nicht gut. Gerade bei jungen Menschen, die einfach zu beeinflussen sind und gerne bereit sind, ihre Probleme zu verstecken, könnte die Darstellung einer solchen Problemhandhabung als Okay zum Drogenmissbrauch verstanden werden. Und damit habe ich nun einmal ein großes Problem, weil Drogen eben gerade nicht die Lösung irgendwelcher persönlicher Probleme darstellen. 

Die Handlung selbst war an manchen Stellen relativ spannend, hatte hier und da einen interessanten kleinen Twist drin, mit dem ich nicht gerechnet habe, aber im Gesamtkonstrukt war sie zu künstlich. Dass zufällig Chess‘ Arbeitsproblem und ihr privates Problem so gut aufeinander abgestimmt waren, wirkte viel zu konstruiert und unglaubwürdig. Auch die Belohnung Chess‘ am Ende, dass ihr Drogenmissbrauch nicht auffliegt und sie auch noch ihre Provision einstreicht für einen Job, der mehr… äh… zufällig daher kam, sind schon Aspekte, die sozusagen ein Fehlverhalten noch belohnen und auch in diesem Zusammenhang ein Weltbild vermitteln, das ich einfach nicht gutheißen kann. 

Einzig und allein die Möglichkeit einer potentiellen Beziehung zwischen Chess und Terrible sowie auch einer Wandlung der Protagonistin selbst sind es, die einen an diese Reihe fesseln könnten, wenn man denn bereit ist, über diese Aspekte hinweg zu sehen und der Reihe auch mit den folgenden Bänden eine Chance zu geben.

Kommentare:

  1. Mit der Welt, der Gestaltung der "Kirche", dem Slang und der Drogensucht konnte ich beim Lesen der ersten drei Bände leben. Allerdings hatte ich ein wirkliches Problem damit, dass Chess so unprofessionell mit ihrer Drogensucht umgeht. *g* Obwohl sie genügend Stoff bei der Hand hat und genau weiß, dass sie während ihrer Arbeit keine Entzugserscheinungen gebrauchen kann, wird es immer wieder ganz schön eng. Ich habe das beim Lesen immer mit einem funktionierenden Alkoholiker verglichen (denn sie ist zwar drogenabhängig, aber weder ihre Arbeitgeber, noch die Leute, bei denen sie mit den Geistern hantiert, bekommen davon etwas mit) und der hat es doch in der Regel auch raus, in welchen Dosen er an seinen Alkohol kommen muss, damit niemand etwas mitbekommt und der Alltag bis zum Feierabend bewältigt werden kann.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist auch so eine Sache: ihre unkontrollierbare Drogensucht. In den ersten Bänden versucht sie wenigstens noch einen Überblick zu behalten, den verliert sie immer mehr und greift immer mehr - auch unbewusst - zu den Tabletten.

      Ich finde einfach diese Drogenthematik viel zu romantisiert. Ihre beiden angeblichen Freunde unterstützen diese ja auch noch. Lex in dem er Dienstleistungs-Drogen-Prinzip anbietet und später Terrible, der ihr die Drogen so besorgt bzw. anbietet ihr diese zu besorgen. Letztendlich prostituiert sie sich dafür und wird am Ende eines jeden Buches für ihren Drogenmissbrauch belohnt.

      Mit Alkoholismus habe ich ein ähnlich starkes Problem in Büchern. Das wurde ja gerade in einer anderen Jugenbuchreihe, die ich gelesen hatte thematisiert und für gut abgestempelt. *seufz*

      Löschen
    2. Das mit Lex fand ich auch sehr kritisch. Obwohl ich ihn als Figur mochte, finde ich dieses Verhältnis sehr ungesund.

      Alkohol in Büchern und anderen Medien ist auch so ein Thema ... wobei ich mich ausnahmsweise eher auf die Realität bezog.

      Allerdings finde ich es gerade sehr spannend alte Filme zu sehen und zu schauen, wie da mit Alkohol und Zigaretten umgegangen wird und wie sehr sich die Darstellung in vielen Bereichen geändert hat.

      Löschen